Böker Rettungsmesser OTF

Ab sofort legal: Vollautomatische Rettungsmesser

Rettungsmesser (Rescue Tools) sind spezielle Werkzeuge, die dafür konzipiert sind, sich oder andere nach einem Verkehrsunfall aus einem Fahrzeug zu befreien. Mit Glasbrecher, Gurtschneider und einer Wellenschliffklinge leisten Rettungsmesser unschätzbare Dienste, wenn Verbundglasscheiben eingeschlagen und Sicherheitsgurte durchtrennt werden müssen. Seit Jahren sorgt das Mitführen von Rettungsmessern für Ärger mit der Polizei, aber nun stellen zwei Hersteller gesetzeskonforme Rettungsmesser vor. Grund zur Freude für Autofahrer und Messerfans, trotzdem gibt es in der Szene mal wieder jede Menge Knatsch.

Inhalt und Übersicht

Üblicherweise werden Rettungsmesser im Auto mitgeführt, um sich nach einem Unfall mittels Gurtschneider und Glasbrecher aus dem Wrack befreien zu können. Seit Jahren sind Rettungsmesser ein Quell steten Ärgers, denn bei Polizeikontrollen werden diese Werkzeuge häufig beschlagnahmt und ihre Besitzer anschließend wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt.

Ursächlich sind die bisher gebräuchlichen einhändig ausklappbaren und arretierbaren Klingen dieser Werkzeuge, denn bauartbedingt fallen sie nach § 42a Absatz 1 Satz 3 WaffG unter das Verbot, Einhandmesser mit Klingenverrieglung in der Öffentlichkeit zu führen.

Die Einstufung als „Einhandmesser“ durch den Gesetzgeber ist mehr als fragwürdig, da die Klingen von Rettungsmessern nicht spitz zulaufen und sich deshalb, wie auch durch ihre geringe Klingenlänge, nicht als Stichwaffen eignen.

Die signifikanten Unterschiede zwischen Rettungsmessern und Einhandmessern werden vom Gesetzgeber nonchalant ignoriert.

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Ergo hat der deutsche Gesetzgeber keine Ausnahme für diese Werkzeuge bei der Novellierung des Waffengesetzes formuliert. Das Führen vieler Rettungsmesser am Körper oder im Auto stellen einen Verstoß gegen das Waffengesetz dar.

Bei einem Rettungsmesser auf die Möglichkeit des einhändigen Öffnens oder auf die Klingenarretierung zu verzichten, würde nicht nur die Handhabung des Werkzeugs erschweren oder sogar nutzlos machen, sondern birgt vor allem beim Verzicht auf die Klingenarretierung ein nicht unerhebliches Verletzungsrisiko für seinen Benutzer. Die waffenrechtliche Einstufung von Rettungsmessern als Einhandmesser ist sachlich weder zu begründen, noch lässt sich ein Führverbot für diese Werkzeuge aus der Vernunft ableiten.

Da der Gesetzgeber einem völlig ungefährlichen Werkzeug eine Waffeneigenschaft andichtet, geraten unbescholtene Bürger regelmäßig in die Fänge der Justiz, denn für die Polizei ist jedes entdeckte Rettungsmesser ein aufgeklärter Verstoß gegen das Waffengesetz. Entsprechend beflissen gehen viele Beamte vor und Vater Staat verschafft sich nicht ohne Hinterlist üppige Einnahmen durch die anschließend verhängten Bußgelder.

Rettungsmesser als OTF

Die Suche nach einem Rettungsmesser, das in Deutschland in der Öffentlichkeit straffrei geführt werden darf und das trotzdem in Notfällen effektiv und ohne Verletzungsrisiko eingesetzt werden kann, läuft bereits seit vielen Jahren. Bei fast allen Rescue Tools wird die Klinge mit dem Daumen zur Seite ausgeklappt. Für geübte Messerfans ist das ein intuitiver Vorgang, doch vor allem in Dunkelheit und unter Stress können Laien mit der Handhabung überfordert sein. Einfacher und sicherer ist ein Mechanismus, bei dem nur ein Knopf zu drücken ist. Knopf drücken: Klinge fährt aus, Knopf noch einmal drücken: Klinge fährt wieder ein.

Böker Kalashnikov Rescue OTF
Böker Kalashnikov Rescue OTF mit Gebrauchsspuren vom ausgiebigen Testen

Böker Kalashnikov Rescue OTF

Dieses technische Prinzip ist seit langen bekannt und nennt sich „OTF“. Im Deutschen gibt es keine prägnante Bezeichnung für die technische Bauform dieser Messer und so hat sich das amerikanische Akronym „OTF“ („Out The Front“, Austritt vorn) in der Umgangssprache etabliert. OTF gehören, egal ob als EDC oder als Rettungsmesser, zu den sichersten und am besten zu bedienenden Taschenmessern überhaupt. Doch wieder einmal legt das deutsche Waffengesetz der Ingenieurskunst unsinnigerweise Steine in den Weg.

Messer, deren Klingen durch Feder- oder Schwerkraft nach vorn austreten, werden über die Anlage 2, Punkt 1.4.1 WaffG als verbotene Gegenstände eingestuft. Damit Rettungsmesser mit dieser Technik in Deutschland verkauft, besessen und schließlich in der Öffentlichkeit mitgeführt werden dürfen, bedarf es eines Feststellungsbescheids des BKA, aus dem hervorgeht, dass die geprüften Messer keine (verbotenen) Waffen sind.

Somit muss man den Titel des Artikels mit einer Einschränkung versehen: Legal zu erwerben und zu führen sind nur solche Vollautomaten, für die ein positiver Feststellungsbescheid des BKA vorliegt.

Böker OTF Rettungsmesser, geschlossen

In geschlossenem Zustand trägt ein OTF nicht mehr auf als ein Einhandmesser mit Klingenheber oder ein Flipper.

Auch das Gewicht des Messer bleibt mit 143 Gramm im Rahmen.

Die Solinger Firma Böker hat beim BKA einen Antrag auf Prüfung gestellt und nach langer Wartezeit den Bescheid erhalten, dass das neue Rettungsmesser im Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften steht. Knife-Blog konnte einen Prototypen des Böker Kalashnikov Rescue OTF testen. Das Öffnen und Schließen funktioniert zuverlässig und spielerisch leicht. Zum Ausfahren der Klinge wird ein Hebel auf dem Griffrücken mit dem Daumen nach vorn geschoben, zum Einziehen der Klinge zieht man den Hebel einfach zurück.

Kraft benötigt man dabei nicht, denn die Arbeit wird blitzartig per Federkraft verrichtet. Die Funktion wirkt wie Zauberei, fast wie ein Perpetuum mobile, denn die Feder muss nicht manuell gespannt oder ein Widerstand überwunden werden. Mit einem vernehmlichen Geräusch fährt die Klinge aus und wieder ein. Spielfreude inklusive. OTF-Messer sind nicht nur einfach und zuverlässig zu bedienen, sie bereiten durch ihren hohen Spielfaktor auch jede Menge Spaß.

Da zurzeit nur ein Prototyp vorliegt, ist statt einem ausführlichen Review nur eine Kurzvorstellung möglich. Ein Praxistest, möglicherweise auch ein Vergleichstest, folgt zu einem späteren Zeitpunkt. Bisher hat das Rettungsmesser „Böker Kalashnikov Rescue OTF“ sowohl aus ergonomischer Sicht wie auch bei der Material- und Verarbeitungsqualität einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen.

Rettungsmesser mit Einhandöffnung und Klingenverriegelung
Bild 3: Der Schriftzug „Kalashnikov“ will nicht so recht in die Zeit passen, aber bei Material, Qualität und Funktion des Rettungsmessers von Böker gibt es nichts zu kritisieren.

Gezänk statt eitel Sonnenschein

Endlich ist es möglich, in Deutschland ein brauchbares Rettungsmesser als OTF zu kaufen. An dieser Stelle könnte der Artikel beendet sein und die Geschichte im Ordner „Friede-Freude-Eierkuchen“ abgeheftet werden. Doch plötzlich machen Plagiatsvorwürfe die Runde und auf Facebook kocht einigen Nutzern das Gemüt über. Der Grund überrascht, denn nachdem der Markt für Rettungsmesser jahrelang mehr unbrauchbaren Schrott als hochwertige Werkzeuge gesehen hat, drängen nun fast zeitgleich zwei Anbieter mit konstruktiv ähnlichen Rettungsmessern auf den Markt.

Ein Rettungsmesser stammt von der amerikanischen Firma Microtech und wird für deutsche Kunden in einem Onlineshop angeboten, dessen Sortiment von Tabakspfeifen über Hygieneartikel bis zu Messern reicht. Der Preis für das Microtech Produkt liegt mit rund 750,- Euro auf dem Niveau eines handwerklich hergestellten Taschenmessers der oberen Kategorie. Eine deutlich preisgünstigere Variante eines vollautomatischen Rettungsmessers stammt von der Solinger Firma Böker, das ab 11.11.2022 für 129,95 Euro in den Verkauf geht.

Sowohl Böker als auch der deutsche Onlineshop haben unabhängig voneinander die Prüfung ihrer Rettungsmesser durch das BKA und einen Feststellungsbescheid angefordert. Böker war dabei etwas schneller und hat seinen Antrag am 11.10.2021 beim BKA eingereicht, einige Wochen später folgte der Antrag des Online-Händlers.

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Die Antwort des BKA lies einige Zeit auf sich warten, doch schließlich wurden beide Anträge positiv beschieden.

Beide Feststellungsbescheide liegen Knife-Blog vor und in beiden kommt das BKA zu der Einschätzung, dass die vorgelegten Rettungsmesser keine Waffen im Sinne des Waffengesetzes sind.

Endlich mal eine gute Nachricht für Messerfans!

Kopien der Feststellungsbescheide befinden sich zum Download auf den jeweiligen Produktseiten der Anbieter.

Der erwähnte Knatsch hat seine Ursache in der zeitlichen Nähe, mit der beide Projekte an den Start gehen. Anstatt vorher einen Musterschutz eintragen zu lassen, wird hinterher gemault und auch den infantilen Satz „Ich-erzähle-es-meinem-Anwalt“ liest man hier und dort. Doch egal wie laut manch einer schreit: Das BKA ist keine Außenstelle des Patentamtes und der Vorwurf vom Ideenklau hat sich spätestens nach einem Blick auf die Eingangsdaten der Prüfanträge erledigt.

Obwohl lange Jahre kein Hersteller ein Rettungsmesser nach dem Bauprinzip eines OTF angeboten hat, so neu wie mancher behauptet, ist die Idee nicht. Schon eine oberflächliche Recherche im Internet fördert eine ganze Reihe von Treffern aus dem Zeitraum zwischen 2008 und heute zutage. Schon vor Jahren sind Designer und Messerfans auf die Idee gekommen, ein Rettungsmesser als OTF zu realisieren. Das Rettungsmesser RT-1 von Eickhorn wurde schon 2011 in einem Messerforum vorgestellt, wird heute noch verkauft und liegt sicherlich auch in manchem Handschuhfach.

Knife-Blog meint:

Viel Lärm um nichts! Auch wenn Microtech nach einer Schwächeperiode infolge des Umzugs von Florida nach Bradford (PA) heute wieder in der Messeroberklasse rangiert, werden nur wenige Kunden bereit sein, schlappe 750,- Euro für ein Werkzeug auszugeben, das gegenüber einem EDC im Alltag keinen Nutzwert besitzt und das nur in der Mittelkonsole eines Autos sinnvoll aufgehoben ist.

Die meisten Interessenten werden wohl wirtschaftliche Überlegungen in ihre Kaufentscheidung einfließen lassen und sich für das Modell von Böker entscheiden. Das Rettungsmesser von Microtech dürfte seine Käufer am ehesten bei Fans der Marke und bei Besitzern von Vitrinen für Luxusartikel finden. Den Streithähnen könnte man zur Gelassenheit raten, denn die beiden Produkte sprechen unterschiedliche Käuferschichten an und werden sich in freier Wildbahn kaum in die Quere kommen.

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Bildnachweis: Titelbild Background, iStock.com:Tashi-Delek, Composition: Knife-Blog, Bild 3: Heinr. Böker Baumwerk GmbH.