Sachen gibts, die gibts gar nicht. Also keine Phantasiegeschichten von Science-Fiction-Autoren, Fabeln aus alter Zeit oder Räuberpistolen von notorischen Märchenerzählern, sondern Geschichten mitten aus dem Leben. Aladin soll einst kurz an einer Lampe gerieben haben und ein dienstbarer Geist erschien. Klar, ein Märchen! Aber dass ein „Weltmeister im Messerschleifen“ in mit seiner Schleifscheibe in drei Sekunden 500 Euro wegzaubern kann, ist traurige Realität.

Inhalt und Übersicht

Leider kein Märchen

Es begab sich zu der Zeit, als sich alle Welt auf das nahe Weihnachtsfest vorbereitete und es war ein großes Hasten und Rennen im ganzen Land. Auch in einem kleinen saarländischen Ort nahe der französischen Grenze stürmten viele Menschen die Auslagen der Händler.

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Diese frohlockten ob der reichlich klingenden Münzen und wollten ihren Kunden etwas ganz Besonderes bieten.

Kein Geringerer als der „Weltmeister im Messerschleifen“ hatte höchst selbst seine sonderlichen  Maschinen in einem verwunschenen Winkel eines Saarbrücker Handelshauses aufgebaut.

Die Messer der Vorbeieilenden mit flinker Hand zu schärfen sollte sein Auftrag sein und das Staunen der Menschen war groß. Ohne ein Scherflein zu entrichten sein Messer auf weltmeisterliche Schärfe bringen zu lassen, ist fürwahr ein treffliches Angebot. Auch Junker Maximilian, mit zwei tapferen Gefährten an seiner Seite, konnte dem Locken dieses Angebots nicht widerstehen. So reichte er sein im Lauf der Zeit stumpf gewordenes Strider SnG den weltmeisterlichen Händen.

Noch wollte der Junker zu einer Erklärung über das rare Messer aus fernen Landen und seinen Wert ansetzen, doch da drehten sich flink die Schleifscheiben und ein Funkenregen ergoss sich prachtvoll in weitem Bogen unter den staunenden Augen der Umstehenden.

Der Weltmeister im Messerschleifen vs Strider SnG

Kawumm! In diesem Moment verschwindet die Märchenszene mit Blitz und Donner und wir befinden uns am 15.12.2016 kurz nach 16:00 Uhr in einem Supermarkt in Saarbrücken-Güdingen. Die Funken der Strider Klinge sprühen immer noch und Ex-Junker Maximilian Ö. bekommt das kalte Grausen während der angebliche „Weltmeister im Messerschleifen“ die Klinge seines knapp 500 Euro teuren Edelmessers in Rekordzeit massakriert.

Besonderes Kennzeichen und optisches Highlight des seltenen Strider Messers ist seine Klingenbeschichtung, die mit hellen und dunklen Streifen an die Zeichnung eines Tigers erinnert, doch solche Kleinigkeiten können den Weltmeister nicht beirren. Die Tigerstripe Beschichtung muss auf einem Zentimeter Breite weichen, während die Klinge Zusehens kürzer und schmaler wird. Aus dem weltmeisterlichen Nachschärfen wird eine dilettantische Exekution, am Ende ist die Beschichtung komplett ruiniert und die Klinge 2,5 Millimeter kürzer.

Als Maximilian protestiert, ist auch die Reaktion wenig weltmeisterlich: „Verpiss dich!“ ist die einzige Antwort, die „Scharfmacher“ Thomas Holz zu seiner Leistung einfällt.

Das Strider SnG vor dem Weltmeister im Messerschleifen

Nur so zum Vergleich: So sieht die Klinge eines Strider SnG aus, das jahrelang als EDC gute Dienste geleistet hat und dessen Klinge mehrfach nachgeschliffen wurde.

Das Strider SnG nach dem Weltmeister im Messerschleifen

Und so sieht die Klinge eines 500 Euro Messers aus, nachdem sie dem angeblichen Weltmeister zum Opfer gefallen ist.

Unfassbar! Maximilians geliebtes und mühsam zusammengespartes Strider SnG ist dank des „Weltmeisters im Messerschleifen” ein Fall für die Mülltonne.

Da Junker Maximilian den Verlust nicht aufs eigener Kraft kompensieren konnte, haben viele Mitglieder einer deutschen Strider Gemeinschaft auf Facebook zusammengelegt, und Maximilian zu Weihnachten ein neues Messer spendiert.

Strider Klinge nach dem "Weltmeister"
Er nennt sich Weltmeister im Messerschleifen und ist doch nur ein Dilettant…

Und die Moral von der Geschicht‘?
Finger weg von dreisten Möchtegern-Weltmeistern mit großem Maul und schlechtem Benehmen! Und wertvolle Messer in Supermärkten zwischen Tür und Angel schleifen zu lassen, ist auch ohne selbsternannte Weltmeister eine ziemlich blöde Idee.

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Der Weihnachtsgeschichte zweiter Teil

Durch die große Aufmerksamkeit, die dieser Vorfall durch den Bericht auf Knife-Blog und der anschließenden Diskussion in vielen Foren und Facebook-Gruppen genommen hat, konnte die Affäre schließlich zu einem guten Ende gebracht werden.

Die saarländische Handelskette Globus, in deren Saarbrücker Markt die fragwürdige Schleifaktion stattfand, hat Messerschleifer T. Holz zu einer Einigung mit dem Geschädigten veranlasst.

Inzwischen wurde umfänglicher Ersatz in Form eines neuen Strider SnG geleistet und eigentlich könnte unter allen Dächern der Weihnachtsfriede einkehren. Unter allen Dächern? Nein, unter einem Dach brennt offenbar der Baum! Laut Aussage des Geschädigten Maximilian Ö. erkennt Herr Holz keinen Arbeitsfehler an und gibt dem Geschädigten die Schuld, weil er ihn – tatsächlich oder angeblich – nicht auf den Wert des Messers hingewiesen habe. Das wirft natürlich die Fragen auf, ab welcher Preisgrenze ordentlich gearbeitet wird und mit welcher Arbeitseinstellung preiswerte Messer bearbeitet werden.

Im Gespräch mit Maximilian Ö. beziffert Herr Holz seinen Schaden durch die „Hexenjagd“ im Internet auf 1,5 Millionen Euro. Die Summe lasse ich – auch fürs Finanzamt – gerne unkommentiert stehen.

Beschauliche Weihnachtstimmung mag sich trotz der letztlich Zustande gekommenen Einigung nicht einstellen, denn ohne Einsicht in das handwerkliche Versagen sind weitere Fälle wie beim Strider SnG von Maximilian Ö. wohl nicht ausgeschlossen.

… und wenn sie nicht gestorben sind …

Ende gut, alles gut? Leider nein! Der angebliche Weltmeister treibt noch immer sein Unwesen und lässt fröhlich Funken sprühen. Alle Leser seien ausdrücklich gewarnt!


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