Mehr als alle anderen bekannten Namen der Messerszene ist die (ehemals) kalifornische Firma Benchmade mit dem Balisong verbunden. Ein Blick in die Geschichte zeigt, wo die Wurzeln des heutigen „Global Player“ Benchmade liegen und wie Schmetterlingsmesser die Entwicklung der Firma ermöglicht und geprägt haben. Die Chronologie der Benchmade Firmengeschichte aus den Jahren der Firmengründung.

Inhalt und Übersicht

1979 wurde unter der Adresse 3039 Roswell St. in der kalifornischen Metropole Los Angeles eine Firma namens „Bali-Song Inc.“ gegründet. Das Ehepaar Roberta und Les de Asis begann seine Selbstständigkeit mit einer kleinen Messerschmiede, in der ausschließlich Messer aus eigener Herstellung und ausschließlich Messer des Bautyps Balisong verkauft wurden.

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Heute würde man die Produkte als „High-End Custom Knives“ bezeichnen, aber in der Messerwelt der späten 1970er Jahre waren diese Begriffe noch völlig unbekannt.

Sal Glesser war zu dieser Zeit erst seit knapp drei Jahren in der Messerszene aktiv, fuhr mit seinem Wohnmobil von Messe zu Messe und die Gründung der Firma Spyderco lag erst wenige Monate zurück.

Benchmade – Die ersten Jahre

Im Gegensatz zu anderen Start-up Unternehmen dieser Zeit lag beim Ehepaar de Asis der Fokus zu Beginn nicht auf dem Handel mit Messern und Zubehör verschiedener Hersteller, sondern ausschließlich auf dem Vertrieb selbst hergestellter Messer. Die Herstellung handgefertigter Balisongs nahm bald nach der Firmengründung Fahrt auf, denn zu dieser Zeit gab es in den USA keinen inländischen Hersteller, der Balisong in guter Qualität produzierte.

Benchmade Firmengeschichte: WErbung von Bali-Song 1981

In der Anfangszeit bot „Bali-Song Inc.“ nur ein einziges Messermodell an, das allerdings durch optionale Ausstattungsvarianten dem Geschmack des Käufers angepasst werden konnte. Das Standardmodell besaß Messinggriffe und eine leicht hohlgeschliffene Drop Point Klinge aus 154CM Stahl.

Die Standard Klinge entsprach in ihrer Form noch weitgehend den traditionellen Vorbildern aus Asien.

Für einen Aufpreis von 25 Dollar konnten Edelstahlgriffe (Stainless Steel) bestellt werden. Für weitere 35 Dollar konnte man statt der standardmäßigen Drop-Point Klinge ein Messer mit Bowie-Klinge erstehen.

Einige Zeit später kamen Griffschalen aus Micarta und anderen Materialien ins Angebot. Damit orientierten sich die ersten Messer von Bali-Song noch deutlich an Vorbildern aus Malaysia oder den Philippinen.

Für die Griffe wurden Micarta-Einlagen in verschiedenen Farben (rot, schwarz, schwarz-grün) ohne Aufpreis angeboten, Inlays aus „Ivory Micarta“ (elfenbeinfarbenes Micarta) wurden mit 10 Dollar Aufpreis in Rechnung gestellt. Eine Gürteltasche schlug mit weiteren sechs Dollar zu Buche. Ein Erkennungsmerkmal für Messer aus der Roswell Street kann das in der Klingenmitte aufgebrachte Schmetterlingslogo sein, später wanderte es – wie allgemein üblich – in Richtung Klingenwurzel.

Bali-Song von 1983
Urmodell mit Weehawk Klinge
Rechnung von 1981

Rechnungen wurden in der Anfangsphase noch von Hand auf neutrale Quittungsblöcke geschrieben und trugen statt eines Briefkopfes nur einen Firmenstempel. Ab 1981 gab es schreibmaschinengeschriebene Rechnungen mit Briefkopf. Nur wenige Dokumente sind aus dieser Zeit erhalten geblieben und von einer der wenigen erhaltenen Rechnungen wissen wir, dass ein Balisong mit Bowie-Klinge, Edelstahl Griffen, Ivory Micarta Einlagen und Gürteltasche 165,95 Dollar kostete. Gute alte Zeit…

Bali-Song Incorporated

Das Design des „Ur-Messers aus der Anfangszeit von „Bali-Song Inc.“ wurde von Les de Asis in Zusammenarbeit mit dem Messer- und Schwert Designer Jody Samson entwickelt. Noch heute prägt dieses – mittlerweile klassische – Design unverkennbar die modernen Butterfly Knives von Benchmade. Ein erster großer Erfolg der jungen Firma war die Auszeichnung des Balisong Urmodells als „Knife of the year“ durch das renommierte „Blade Magazin“ im Jahr 1979.

Jody Samson war zur damaligen Zeit einer der bekanntesten Designer von Blankwaffen in den USA, er entwarf unter anderem viele Schwerter und Messer für Hollywood Produktionen, u.a. für „Conan der Barbar“, „Blind fury“ und die Batman-Filme. Die „Weehawk“ Klinge, eine der meist benutzten Klingenformen bei Balisong, entstammt einem Design-Entwurf von Jody Samson aus der Anfangszeit der Firma Bali-Song Incorporated.

Balisong von PCC

Designelemente der ersten Messer von Pacific Cutlery Corp. wurden weltweit kopiert. Auch für deutsche Hersteller waren die Messer aus Los Angeles stilprägend.

Die Freundschaft zwischen Les de Asis mit Jody Samson bestand viele Jahre und führte zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit. Unter den Firmennamen Bali-Song, Pacific Cutlery Corporation und Benchmade entstanden zahlreiche gemeinsame Designs, Messermodelle und später ganze Baureihen. Jody Samson starb am 27. Dezember 2008 im Alter von nur 62 Jahren an Lungenentzündung.

Bereits im April 1981, also schon in einem frühen Stadium der Unternehmensgeschichte, lies das Ehepaar de Asis das Trademark „Bali-Song“ auf ihre junge Firma eintragen. Einziger Unterschied zum generischen Wort ist nur die Schreibweise mit Bindestrich, weitere Details (Schriftart, Farbe, etc.) sind nicht definiert. Ein weiteres geschütztes Warenzeichen von Benchmade zeigt einen stilisierten, einfarbigen Schmetterling. Beides wurde zum Logo der Firma Bali-Song Inc. kombiniert; ein stilisierter Schmetterling, der das Wort „Bali-Song“ im unteren Drittel umschließt.

Die Benchmade Story: PCC

Ein Messer von „Bali-Song Inc.“ aus der Anfangszeit der Firma mit Logo und Rechnung heute zu finden käme einem Lottogewinn gleich. Diese Raritäten liegen in Sammlungen, werden oft nur von Sammler zu Sammler weitergereicht und erscheinen so gut wie nie auf dem freien Markt. Sollte doch einmal eines zum Verkauf angeboten werden, dürfte der Preis im fünfstelligen Dollar Bereich auch hart gesottene Gemüter abschrecken.

Obwohl das Geschäft sehr vielversprechend anlief und die Schmetterlingsmesser aus Los Angeles sehr begehrt waren, macht es auf Dauer keinen Sinn, den großen Markt der Fixed und Folder außen vor zu lassen.

Anfang des Jahres 1983 änderte sich der Firmenname und aus „Bali-Song Inc.“ wurde die „Pacific Cutlery Corp.“ (PCC) ohne dass die erste Firma liquidiert wurde.

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Kurze Zeit später wurden am Laurel Canyon Boulevard in North Hollywood neue, größere Geschäftsräume bezogen und die Modellpalette der Messer deutlich erweitert. Der Firmenname „Bali-Song Inc.“ wäre dem Absatz der Folder und Fixed möglicherweise nicht dienlich gewesen und kurz nach dem Umzug legte die Pacific Cutlery Corporation einen Katalog mit vielen neuen Messermodellen vor. Etwa 1984 begann PCC mit dem Verkauf billiger Balisongs aus asiatischer Produktion, behielt aber die Herstellung eigener Modelle bei.

Das Angebot an Messern und ihren Bezeichnungen wechselte in dieser Phase fast ständig und ist heute selbst für ausgewiesene Benchmade Kenner kaum überschaubar.

Ein zweites Standbein wurden Kampfmesser im japanischen Stil, die in den Katalogen und Flyern nur mit einzelnen Buchstaben gekennzeichnet wurden. Viele Folder der Pacific Cutlery Corp. entstammen der Zusammenarbeit mit Jody Samson und zeigen das für ihn typische Design. Außerdem entstanden eigene Modelle mit feststehender Klinge, z. B. Bushcrafter und recht wild aussehende Kampfmesser im „Rambo-Stil“.

Vor der Menchmade Aera: Taschenmesser von Joy Samson

Les de Asis erweiterte das Angebot auf Taschenmesser, die mehrheitlich von Jody Samson entworfen wurden.

Das Firmenlogo wurde trotz der Veränderungen weiterverwendet, es zeigt unverändert den Namen „Bali-Song“ und wurde nur auf selbst hergestellte Messer graviert. Erst 1986 wurde das signifikante Schmetterlingslogo als Warenzeichen eingetragen. Der genaue Zeitpunkt lässt sich heute nicht mehr feststellen, aber ungefähr ab Anfang 1987 erscheint rechts unten neben dem Benchmade Logo das eingekreiste „R“, das die Marke als eingetragenes Warenzeichen (Trademark) gemäß dem amerikanischen Markenrecht kennzeichnet.

Die 80er Jahre

Aus dem Zeitraum von 1983 bis 1988 sind viele der hergestellten Messer (Balisongs, Folder, Fixed) noch im Umlauf; der Sammlerwert kann bei gut erhaltenen Stücken nicht unbeträchtlich sein, ohne allerdings auch nur in die Nähe der Stücke aus den ersten Jahren zu kommen.

Zur Verzierung der Griffe wurden jetzt immer wertvollere und seltenere Materialien eingesetzt, Mammutknochen, tropische Hölzer und sogar lizenziertes Elfenbein wurden oft mit besonders schön gemaserten Damastklingen kombiniert. Die Luxusklasse der Balisong wurde in North Hollywood geboren.

Balisong mit Tanto Klinge

Varianten der Tanto-Klinge wurden schon in den 1980er Jahren hergestellt.

Aus der „PCC“ Ära sind viele Kataloge, Werbe-Flyer, Preislisten und Rechnungen erhalten geblieben trotzdem ist es schwer, die Entwicklung einzelner Modelle über die Jahre zu verfolgen. In manchen Dokumenten werden die Messer mit Buchstabenkürzeln bezeichnet, in anderen deutet sich schon die Gruppierung anhand von Modellnummern an. Dabei folgt die Vergabe von Modellnummern keinem halbwegs logischen System, sondern ist offenbar über die Jahre gewachsen.

Normalerweise würde man erwarten, dass eine höhere Modellnummer für ein chronologisch später entstandenes Messer steht aber die Gruppierung orientiert sich eher an Bauweisen und ist kaum undurchschaubar. Hilfreich ist, dass (fast) alle Balisong aus dem Hause „Bali-Song Inc“, PCC und Benchmade zweistellige Modellnummern tragen (z.B. 10,32,35,42,43,51,53,62,63,67). Die Modellnummern 10 und 68 wurden von PCC und später von Benchmade ohne weitere Kennzeichnung für Modelle aus völlig unterschiedlichen Produktionszeiträumen verwendet, hier sollte man vor einem eventuellen Ankauf ausgiebig recherchieren.

Interessant ist der Blick auf die von Bali-Song Inc, PCC und Benchmade auf die Klingen gravierten oder gelaserten Logos. Bis 1999 wurde das Schmetterlingslogo mit dem Schriftzug „Bali-Song“ verwendet, ab 1987 wie schon berichtet mit dem Buchstaben „R“, um das Logo als „Registered Trademark“ zu kennzeichnen.

Nach der Jahrtausendwende

Von 1999 bis 2002 wurde der Schmetterling (mit Fühlern) und dem Schriftzug „Benchmade“ eingesetzt. Unterhalb des Logos steht nur „U.S.A.“ (sic!). Zwischen 2002 und 2004 wird zusätzlich unter dem Logo die Modellnummer vermerkt und seit 2004 wird der Schmetterling ohne Fühler dargestellt. Die Veränderungen des Benchmade Logos führen heute sehr oft zu Missverständnissen oder nähren den Verdacht, ein Messer müsse ein Benchmade Fake sein, da es ein „abweichendes“ Logo zeigt.

Das oben beschriebene Markierungssystem gilt nur für Fixed und Folder von Benchmade aber nicht für Balisong. Alle Balisong von tragen seit 1980 bis heute die gleiche Gravur: einen Schmetterling mit Fühlern, dem Schriftzug „Bali-Song“, dem eingekreisten „R“ (ab 1987) und der Modellnummer unter dem Logo ohne den Zusatz „USA“.

Benchmade Balisong Logo früher
Das Benchmade Balisong Logo einst …
Benchmade Balisong Logo heute
… und heute.

Manchmal wird Verwunderung darüber geäußert, dass Benchmade mit dem Schmetterling ein in der Messerwelt eher untypisches Symbol gewählt hat. Während Löwe, Bison, Jaguar oder Spinne für Stärke, Kraft oder Gefährlichkeit stehen, symbolisiert der zarte Schmetterling eher filigrane Strukturen und Zerbrechlichkeit. Nur in Kenntnis der Entstehungsgeschichte von Benchmade lässt sich die Wahl des Schmetterlings als „Wappentier“ verstehen: „Butterfly knives is Bali-Song (Benchmade)“. Ein schöner Slogan mit klarer Botschaft. Das Festhalten am ursprünglichen Logo exklusiv für die Balisong ist eine Reminiszenz von Benchmade an seine Wurzeln.

Die nächste größere Veränderung erfolgte 1988. Aus der „Pacific Cutlery Corp.“ wurde die „Benchmade Knife Company“ und wieder wurden neue Geschäftsräume bezogen. Innerhalb des Stadteils North Hollywood zog Benchmade vom Laurel Canyon Blvd nach 6513 Lankershim Blvd. Beide Straßen verlaufen parallel links und rechts des Hollywood Freeway und sind nur wenige Blocks voneinander entfernt.

Link: Google Street View Lankershim Blvd

1990 erfolgte der Umzug nach Oregon, zunächst in die 114th Avenue der Kleinstadt Clackamas. Benchmade vertauschte den geschäftigen aber etwas schmuddeligen Boulevard in Los Angeles mit einer unscheinbaren Nebenstraße im Industriegebiet von Clackamas. In dieser Zeit wurde Benchmade zu einem der größten und erfolgreichsten Messerhersteller und Händler in den USA und die Planung für den Neubau eigener Firmenräume begann. Schließlich bezog Benchmade 1995 unter der Adresse 300 Beavercreek Road, Oregon City, OR einen Komplex in dem Produktion, Geschäftsleitung und Versand unter eigenem Dach vereint sind.

Link: Google Street View Beavercreek Rd / Red Soils Ct

Bis 1997 produzierte Benchmade Balisong im Stil der „Bali-Song Inc.“ und PCC Ära. Plötzlich wurde die Herstellung der Schmetterlingsmesser eingestellt und an neuen Modellen getüftelt. Das Millennium wurde von Benchmade mit einem neuen Balisong eingeweiht, es trug die Modellnummer 42 und wurde einer der größten Erfolge von Benchmade im neuen Jahrtausend.


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