Böker 1969 Z28 - Camaro Design

Taschenmesser Böker 1969 Z28 Damast

Ein Taschenmesser mit lackiertem Griff und Damastklinge. Schön anzusehen, aber nichts für ein Review, oder? Beim näheren Hinsehen findet sich handgeschmiedeter Damast von Chad Nichols und die Lackierung in „Le Mans Blue“ stellt eine Verbindung zum US-Autohersteller Chevrolet her. Mit der Namensgebung Böker 1969 Z28 wird die Intention hinter dem Messer klar, ohne dass der Name “Camaro” fällt, denn der Folder ist eine detailverliebte Reminiszenz an eines der prägenden Muscle Cars in den späten 1960er-Jahren. Türgriff, Farbe, Lack, Felgen. Alles spielt bei diesem Messer eine Rolle. In diesem Review kommen also nicht nur Fans seltener Taschenmesser, sondern auch Hubraum affine Automobilisten mit Hang zu vernehmlichem V8-Sound auf ihre Kosten.

Themenbezüge zu Kunst, Technik oder Natur findet man bei Messern kaum, noch seltener sind Verbindungen zu Automobilen und völlig rar sind Bezüge zu US-Cars mit großvolumigen V8-Motoren. Während der Chor lauthals „E-Mobilität“ ruft, karikieren die Solinger nonchalant den Trend der Zeit und setzen einem großvolumigen Muscle Car ein Denkmal. Nur wenige wagen in Zeiten klimabewegter Shitstürmchen dem Zeitgeist eine dermaßen offensichtliche Abfuhr zu erteilen.

Ein vernehmlich vor sich hin brabbelnder V8-Motor, trinkfreudige 302 Inch³ Hubraum, zweieinhalb Zoll starke Auspuffrohre und natürlich kein Kat. Während echte “Petrol-Heads” bei solchen Daten leuchtende Augen bekommen, fingern andere reflexhaft nach ihren Klebstofftuben.

Böker 1969 Z28 Damast

Schnell dreht sich im Review alles um die Frage, ob das Böker Camaro Taschenmesser spannend, langweilig, brauchbar oder nutzlos sein wird und ob es seinen automobilen Bezug glaubwürdig umsetzen kann. Doch der Stil des Messers, sein Design, seine Oberflächen und Materialien lassen sich nur von Liebhabern amerikanischer Oldtimer oder von Camaro-Insidern verstehen, daher zunächst ein schneller Rundgang durch die automobile Geschichte der sogenannten „Pony-Cars“.

Hinweis: Das Böker 1969 Z28 ist ein Einhandmesser mit Klingenverriegelung und unterliegt nach dem deutschen Waffengesetz einem eingeschränkten Trageverbot in der Öffentlichkeit. Die Bestimmungen für das Tragen von Messern hat Knife-Blog in einem Artikel leicht verständlich zusammengefasst.

Benzin im Blut

Wir sind im Jahr 1964. Ford hatte soeben den Mustang vorgestellt, der als Cabrio oder Coupé erhältlich war und über einen V8-Motor mit 4,3 Liter Hubraum verfügte. Für gerade einmal 2.368 US-Dollar in der günstigsten Version konnte man den Mustang beim Ford-Händler seines Vertrauens ordern. Nach heutiger Kaufkraft und inflationsbereinigt entsprach der Preis knapp 20.000 Euro. Der Preis war eine Kampfansage an die Konkurrenz.

Böker 1969 Camaro Z28 - Rundumansicht

Mit dem Pontiac Firebird und dem Ford Mustang war eine neue Fahrzeugklasse entstanden. Sportliche Autos mit starken Motoren, kurzem Radstand, jeder Menge Lifestyle und mit – für amerikanische Verhältnisse – geradezu winzigen Abmessungen. Schnell etablierte sich der Ausdruck „Pony-Cars“ für die neuen, „kleinen“ Autos. Bis heute wird der Begriff für diese Fahrzeugklasse verwendet.

Durch den Ford Mustang verlor Chevrolet massiv Marktanteile, musste nachziehen und brachte 1966 den ersten Camaro auf den Markt. Vom Fleck weg machte das neue Chevrolet Modell Furore. Die V8-Motoren sorgten für ordentlich Vortrieb, zunächst mit Small Block Motoren, später auch mit bis zu sieben Litern Hubraum und über 300 KW aus den legendären Big Block „Turbo Jet“ Motoren.

Der Z28 war als Sondermodell des Camaro Ende 1969 erschienen, wurde aber von Chevrolet zunächst nicht beworben. Die ursprünglichen Schreibweisen “Z/28” oder “RPO Z28” sind etwas sperrig und daher im Artikel zu “Z28” verkürzt. Bevor dieses Sondermodell angeboten wurde, gab es bereits die leistungsstarken und unterschiedlich ausgestatteten “RS” (Rallye Sport) und “SS” Modelle (Super Sport).

Zum Ausstattungspaket des Z28 („Special Performance Paket“) gehörten neben einem speziellen 4,9-Liter-V8-Motor mit knapp 300 PS und einem Sportfahrwerk auch Scheibenbremsen vorn sowie ein 4-Gang-Schaltgetriebe der Firma Muncie. Für den typischen V8-Sound sorgte eine zweiflutige Auspuffanlage. Nach zögerlichem Start wurde der Camaro zum Verkaufsschlager und die Sonderversion Z28 zum Liebling vieler Autoenthusiasten. Noch in den 1970er-Jahren Kultstatus erlangte der Wagen Kultstatus, den er bis heute nicht verloren hat.

Der Name des Camaro folgt der alten Chevrolet Tradition, nach der Modellbezeichnungen mit dem Buchstaben „C“ zu beginnen haben. Corvette, Caprice, Corvair, Chevelle. Nun also Camaro. Der Name leitet sich von dem französischen Wort „camarade“ ab, was sich mit „Kamerad“ oder „Freund“ übersetzen lässt.

Taschenmesser Böker Z28 Damast im Detail

Ein guter Freund möchte auch das Böker 1969 Camaro Z28 sein. Das Taschenmesser verfügt über eine Einhandöffnung mittels Daumenpin und verriegelt seine Klinge per Liner Lock. Die Gesamtlänge des Messers beträgt geöffnet 186 Millimeter und 106 Millimeter mit eingeklappter Klinge. Die Klingenlänge von Bökers V8 liegt mit 80 Millimeter im mittleren EDC-Bereich für Taschenmesser. Designer des Böker 1969 Z28 Camaro Messers ist der Italiener Tommaso Rumici, der sich bereits mit Designs für DPx, Viper, Oberland Arms und andere einen Namen gemacht hat.

Zwanzig Jahre bevor Tommaso Rumici geboren wurde, zeichnete Henry C. Haga die erste Generation des Chevrolet Camaro.

Sechzig Jahre später nahm der italienische Messerdesigner die Herausforderung an und entwarf ein Taschenmesser im Stil der frühen Muscle Cars.

Böker 1969 Camaro Z28 - Damastklinge

Auch auf Sonderausstattung muss beim Böker 1969 Z28 niemand verzichten. Die Klinge besteht aus handgeschmiedetem Damast, den der Amerikaner Chad Nichols in seiner im US-Bundesstaat Mississippi gelegenen Werkstatt herstellt. „Thread“ nennt Chad Nichols dieses Damastmuster, doch auf den Produktseiten seiner Homepage taucht dieser Stahl nicht auf. Der Grund ist schnell erklärt. Es handelt sich bei diesem 80-lagigen Stahl um kein Standardprodukt, sondern um einen Spezialstahl, bei dem eine Komponente aus Teilen der oberen Querlenker alter Camaro Modelle besteht. Die Querlenker sind beim Anfahren und Bremsen starken Zug- und Druckkräften ausgesetzt, weshalb für diese Bauteile Stähle mit guter Zähigkeit verwendet werden.

Die Drop-Point-Klinge des Z28 ist zeitlos-klassisch, gradlinig und ohne Schnörkel. Eine Swedge im vorderen Klingendrittel verleiht der Klingenform Schwung und nimmt etwas Gewicht aus der Klinge. Die Klingenspitze liegt auf Höhe der Längsachse, was eine nahezu symmetrische Klingenform zur Folge hat. Unterhalb der im oberen Bereich verlaufenden Gratlinie stellt ein Flachschliff die Verbindung zur Schneidkante her. Die Schleifkerbe hat Tommaso Rumici so klein wie möglich gehalten, sodass die Schneide mit 84 Millimetern die Länge der Klinge übertrifft.

Autolack und runde Formen

Taschenmesser mit lackierten Griffschalen sind eine Seltenheit. Lackierte Oberflächen erfordern mehr Arbeitsschritte, mehr Handarbeit, zusätzlichen Materialaufwand, eine aufwendigere Qualitätskontrolle und am Ende des Tages ist der Ausschuss trotz aller Mühe höher als bei Oberflächen aus Kunststoff oder Metall. Das mag erklären, warum lackierte Griffschalen in guter Qualität nur bei sehr wertigen Messern und kunstvoll gestalteten Einzelstücken auftauchen.

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Die Frage, ob der Lack abriebfest genug ist um den Beanspruchungen im EDC-Alltag zu trotzen, kann nicht abschließend beantwortet werden, auch wenn das Testmesser nach vier Wochen täglichen Gebrauchs völlig frei von Kratzern und anderen Gebrauchsspuren war. Trotzdem ist klar, dass Lack nicht ebenso widerstandsfähig sein kann wie Oberflächen aus Titan oder Kunststoff und pfleglich behandelt werden möchte.

Farblich ist der Lack dem Blauton “Le Mans” nachempfunden, den Chevrolet für den Z28 ab 1969 anbot. Der Lack trug den Namen “1969 GM 71” und die technische Bezeichnung „Ditzler Code 2083“. Wie der originale Autolack besitzt auch die Lackierung des Böker 1969 Z28 Messers einen Metalleffekt.

Design und Ergonomie des Z28

Als Auto war der Z28 eher ein rauer Geselle, dessen Lenkkräfte die Oberarme effektiver trainierten, als es manche Übungseinheit im Fitnessstudio vermag. Kupplung und Bremspedal wollten mit Nachdruck bedient werden und sorgten für stramme Waden. Das Taschenmesser besitzt hingegen einen völlig anderen Charakter.

Tommaso Rumici setzt bei seinem Design auf Bögen, Wölbungen und deutlich abgerundete Kanten. Die umlaufenden Kanten des lackierten Aluminiumgriffs sind stark gerundet, was einerseits die Gestaltung des 1969 Chevrolet Camaro widerspiegelt und sich andererseits positiv auf Haptik und Handlage des Taschenmesser auswirkt.

Das Z28 ist ein Handschmeichler, der sich in die Faust schmiegt und keine Druckstellen erzeugt. Die lackierte Oberfläche fühlt sich dabei angenehmer an und ist bei Weitem nicht so glatt als erwartet.

Die gewölbte Oberseite des Griffs orientiert sich an der Formgebung der Motorhaube des 1969 Camaro Z28. Wider Erwarten drückt sich der kleine Buckel nicht unangenehm in die Handfläche, sondern füllt die geschlossene Hand gut aus.

Bei der Formgebung hat Tommso Rumici von vielen Charakteristika des Chevrolet Camaro für das Böker Messer inspirieren lassen und rezitiert den verchromten Türgriff beim Taschenclip ebenso wie die drei Lüftungsschlitze vor den Hinterrädern. Die Achsschraube ist einer seinerzeit erhältlichen Alufelge nachempfunden und durch das Griffmaterial Aluminium schließt sich der Kreis.

Der auffallend schmale Taschenclip hält das Messer zuverlässig in der Hosentasche, wobei es rund zwei Zentimeter nach oben herausragt. Ohne das sichtbare Griffende würde dieses Taschenmesser wie ein in die Tasche geschobener Kugelschreiber wirken.

Die Achsschraube erweckt den Eindruck, sie ließe sich nur mit einem Spezialwerkzeug einstellen, doch in der Mitte kann beidseitig ein TORX-Schlüssel angesetzt werden. Leider legt Böker diesem Messer keinen passenden Steckschlüssel bei.

Benötigt wird er allerdings nicht, denn die Justage ab Werk war beim Testmesser nicht zu verbessern. Der Klingengang des Böker 1969 Z28 ist ausgesprochen “smooth” und kein Messerfan wird darüber traurig sein, dass der etwas rüde Charme des alten Muscle Cars keinen Eingang ins ergonomische Konzept des Messers gefunden hat.

Böker 1969 Z28 - Designelemente

Öffnen lässt sich die Klinge des “Camaro-Messers” entweder durch Druck gegen den Daumenpin oder durch Anheben der Klinge mit Daumen und Mittelfinger. Bei der zweiten Variante wird sie anschließend nur mit dem Daumen ins Lock geschoben. Das Öffnen funktioniert zuverlässig und bequem, da der Kraftwinkel zum Heben der Klinge mittels Daumenpin günstig gewählt ist.

Auch beim Schließen der Klingen bleibt der Stresslevel niedrig, denn der Entriegelungshebel des Liner Lock ist ausreichend groß und gut erreichbar. Der Kraftaufwand zum Öffnen und Schließen des Messers ist gering.

Fazit und Preis

Das Böker 1969 Z28 polarisiert. Mehr noch, es wird die Messergemeinde in zwei Lager spalten. Fans amerikanischer V8-Klassiker werden dem Böker 1969 Z28 zweifellos mit Interesse begegnen. Eigentümer fair gehandelter Lastenfahrräder werden möglicherweise nur begrenzt entzückt sein. Autofans gegen Autohasser, Klimaschützer gegen Liebhaber fetter V8-Motoren, Scheinheilige gegen Rednecks mit Scheißegal-Mentalität. Beim Mitlesen der Diskussionen auf sozialen Medien dürfte ein ausreichender Vorrat an Popcorn und Koffeinbrause nicht schaden.

Ein Schnäppchen, wie seinerzeit die ersten Generation des Camaro, ist das Böker 1969 Z28 nicht. Im deutschen Onlinehandel sind 430.- Euro zu berappen. Für rund sechzig dieser Messer hätte man damals ein nagelneues Camaro Z28 Coupé bekommen. Vollgetankt! Natürlich ist die Rechnung schief, trotzdem erzählt der schiefe Vergleich eine wahre Geschichte zum Nachdenken.

Die Umsetzung eines alten Muscle Cars in ein modernes Messer ist erstaunlich gut gelungen. Tommaso Rumici hat seinen Job erstklassig erledigt. Technisch schließt das Messer den Testzeitraum ohne Schäden und dank pfleglicher Behandlung auch nahezu ohne Gebrauchsspuren ab. Abrieb an den Griffschalen ist nicht sichtbar, allerdings dürfte der Lack unter dem Kontaktpunkt des Taschenclips bei regelmäßiger Benutzung nicht ewig halten.

Für Besitzer blauer Chevrolet Camaro ist dieses Messer ein Muss, für allen anderen eine gute Gelegenheit, die Sammlung um ein völlig anderes Messer zu erweitern. Da die nummerierte Auflage begrenzt ist, sollte man nicht zu lange zögern. Ende Juli 2023 soll das Böker 1969 Z28-Damast bei den Händlern eintreffen.

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Technische Daten des Böker 1969 Z28

  • Messertyp: Einhandmesser mit Liner Lock
  • Klingenlänge: 80 mm
  • Klingenstärke: 3,63 mm
  • Klingenstahl: Damast von Chad Nichols
  • Länge offen / geschlossen: 18,60 mm / 105 mm
  • Gewicht: 99 Gramm

Bildnachweise: Titelbild Hintergrund depositphotos.com, Composition: Knife-Blog.

Böker 1969 Z28 Damast
In einem Satz:
Teuer und edel wie ein Oldtimer mit V8-Motor, aber ebenso nützlich und gut gemacht.
Klingenstahl
Anschliff
EDC-Tauglichkeit
Qualität
Swag-Faktor
Preis-Leistung
4.5
Knife-Blog Wertung