Der Aufbau vieler Einhandmesser folgt einem einfachen Muster: Ein Rahmen, der zwei durch Schrauben und Spacer verbundene Platinen gebildet wird, darauf montiert man links und rechts je eine Griffschale. Ein erprobtes und solides Konzept, das jeder Messerfreund schon unzählige Male gesehen hat. Dass es auch anders geht, zeigt Michele Pensato von LionSteel mit dem Modell LionSteel TM1 und geht dabei höchst ungewöhnliche Wege. Rahmen, Platinen, Spacer und Griffschalen werden bei diesem Messer aus einem einzigen Stück Micarta gefräst. Aus dem Vollen eben – ob das Ergebnis „voll gut“ oder „voll schlecht“ ist, wird sich zeigen.

Inhalt und Übersicht

Die italienische Firma LionSteel geht gerne mal neue Wege und verfolgt dabei nicht selten ungewöhnliche Konzepte. Extremstes Beispiel bisher ist das Modell Ti-Dust, bei dem ein Stück Titan ausgefräst und extrem skelettiert wird, bis ein äußerst filigraner Messergriff entsteht.

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Dieses Kunstwerk hat seinen Preis, gut 1.300 Euro werden für ein auf Vorbestellung gefertigtes Ti-Dust fällig.

Preislich schon eher im volkstümlichen Bereich ist das LionSteel TM1 Micarta angesiedelt, der Listenpreis beträgt 210,- Euro. Gegen einen Aufpreis ist dieses Messermodell auch mit einem Griff aus Carbon erhältlich.

LionSteel TM1 – Technische Daten

Dafür bekommt man einen Folder mit relativ großer Klinge und üppigen Abmessungen, das LionSteel TM1 füllt eine Männerhand gut aus. Gemessen an der Größe ist das Gewicht des Messers erstaunlich gering, nur 130 Gramm bringt der Folder mit seiner 4,5 Millimeter breiten Klinge aus Sleipner Stahl auf die Waage.

Technische Daten

LionSteel TM1Daten und Ausstattung
Messertyp Einhandmesser mit Integralrahmen
HerstellerLionSteel
Modell TM-1
Klingenlänge / Schneide90 mm / 86 mm
Klingenstärke4,5 mm
Klingenform Drop Point mit Flachschliff
Klingenhöhe28 mm
KlingenstahlSleipner Steel, 60-61 HRC
Länge offen / geschlossen205 mm / 115 mm
GriffmaterialMicarta oder Carbon
Gewicht130 Gramm

Micarta ist in den letzten Jahren in der Messerwelt immer seltener geworden. Der höhere Preis gegenüber reinen Kunststoffen wie G-10 oder FRN sowie die Entstehung gefährlicher Stäube bei der Verarbeitung haben viele Hersteller veranlasst, Griffe aus Micarta aus dem Angebot zu nehmen. Ungeachtet dessen erfreut sich Micarta aufgrund seiner zahlreichen guten Eigenschaften großer Beliebtheit bei Messerfreunden in aller Welt. Viele Informationen und Details zu Micarta finden sich im Artikel „Micarta als Material für Messergriffe“ in der Rubrik „Material und Technik.

Die Klinge des TM1 ist hoch und wirkt durch ihre Breite von 4,5 Millimetern sehr stabil. Sleipner Stahl lässt sich auf hohe Härte bringen, ohne dabei gefährlich spröde zu werden. 60 – 61 HRC gibt LionSteel für die TM1-Klinge an und liegt damit oberhalb der viel gerühmten S30V und S35VN Stähle.

Den Vorteil einer leichten, stabilen und harten Klinge erkauft man sich bei Sleipner Steel mit einer eher mäßigen Korrosionsträgheit. Nur 7,8 Prozent Chrom und 2,5 Prozent Molybdän sind ein geringer Anteil an Legierungselementen, die die Korrosionsbeständigkeit erhöhen. Andere Messerstähle bringen es diesbezüglich auf 16, 18 oder gar über 20 Prozent.

Ein Grund, Sleipner Steel zu verwenden, lässt sich beim besten Willen nicht finden. Der Stahl kann nichts, was ein korrosionsträger Stahl wie CPM-S30V, Elmax oder Böhler M390 nicht auch könnte.

LionSteel TM1

Der Klingenschliff des Lionsteel TM1 ist sehr präzise und gleichmäßig, die Schneidkante wirkt wie auf Leder abgezogen und besitzt den Anflug einer Spiegelpolitur.

Auf der teilpolierten Schneidkane sind noch feine Rillen des Schleifsteins erkennbar. Ein praktisches Manko ergibt sich daraus nicht, die Klinge ist scharf und rasiert den Arm mühelos. Aber es geht besser! Auf dem Klingenrücken befindet sich ein breiter Klingenheber, der das einhändige Öffnen erleichtert.

Der mit einer Inbusschraube befestigte Klingenheber lässt sich entfernen und bringt das LionSteel TM1 in die Nähe der Konformität mit den Vorschriften des Waffengesetzes. Neben seiner Funktion als Öffnungshilfe dient der Klingenheber auch als komfortabler Auflagepunkt für den Daumen. Hält man das Messer in der Hand, kann man mit dem Daumen Druck auf die Klinge ausüben und die Schnittführung besser kontrollieren.

LionSteel TM1 mit Integralgriff

Das herausragende Merkmal dieses Messers ist seine Konstruktion. Wie eingangs erwähnt, wird der gesamte Griff aus einem Stück Micarta gefräst. Ohne Rahmen, ohne Metallplatinen und ohne eingezogene Verstärkungen klingt die Herstellungstechnik zunächst ein wenig abenteuerlich. Einzig durch die massive Verriegelungsmechanik des Back-Lock erfährt die Konstruktion zusätzliche Stabilität.

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Selbst die Führung der Klingenachse ist nicht verstärkt. Zwar kann ein Integralgriff aus Micarta die Kräfte aufnehmen, die bei leichte Schneidearbeiten im Alltag anfallen, an die Stabilität und Widerstandskraft einer Rahmenkonstruktion aus Metall kommt er nicht heran. Dadurch wird der Einsatzbereich des Messers eingeschränkt.

Wie bei LionSteel üblich, wird viel Augenmerk auf technische Details und gutes Handling der Messer gelegt. Auch das TM1 bildet da keine Ausnahme. Die Klinge wird durch ein IKBS Kugellager geführt und das Kugellager bewirkt einen weichen, mühelosen Klingengang, ohne dass auch nur minimales Spiel festzustellen wäre. Ein weiteres Feature ist der Glasbrecher aus Wolfram am Ende des Griffs. Der Glasbrecher bildet eine Einheit mit dem Taschenclip aus Stahl. Letzterer ist beidseitig montierbar, so dass das TM1 für Rechts- und Linkshänder gleichermaßen geeignet ist.

Die Klinge wird über das Back-Lock spielfrei verriegelt und das Lock ist sehr stabil gefertigt. Durch einen Druck auf das Ende der Lockbar wird die Klinge entriegelt und mit etwas Übung kann das Messer einhändig geschlossen werden. Ein versehentliches Entriegeln der Klinge ist nicht zu befürchten, da die Lockbar mit dem Micarta Rahmen bündig abschließt.

LionSteel TM1 mit Carbongriff

Als Alternative zur Version mit Griff aus Micarta bietet sich die Carbon-Version des LionSteel TM1 an.

Die Ergonomie des TM1 ist LionSteel gelungen, der Micarta Griff liegt satt in der Hand, alle Finger finden Platz und der Daumen ruht auf dem Klingenheber. Ermüdungsfreies Arbeiten dürfte mit diesem Messer auch bei längeren Einsätzen kein Problem sein, das Micarta vermittelt ein angenehmes Handgefühl.

Die Verarbeitung des TM1 ist gut, Kritikpunkte lassen sich nicht finden. Das LionSsteel ist ein interessantes Messer mit einer sehr ungewöhnlichen Konstruktion. Klingenstahl und Micarta sind von guter Qualität, die Optik des Messers ist harmonisch und orientiert sich grob an den Formen des SR1. In der Praxis wirkt das Messer solide und ausreichend stabil, wirklich grobe Einsätze würde ich dem TM1 allerdings ersparen. Als EDC ist es mit leichten Einschränkungen einsetzbar.

Zum Schluss natürlich die Frage: „Was kostet der Spaß?“
Der Preis für das Lionsteel TM1 Micarta hat sich über die Jahre als recht stabil erwiesen. 2019 muss man rund 190 Euro für dieses Messer auf den Tisch legen. Wer das TM1 als Carbon Variante haben möchte, muss noch gut 100 Euro drauflegen und etwas Geduld mitbringen, da LionSteel diese Variante nicht fortlaufend produziert, sondern Bestellungen sammelt, bis wieder eine Kleinserie aus Carbon aufgelegt wird.

LionSteel TM1 – Fazit

Das TM1 ist ein echter Hingucker, spannend, einzigartig und daher in jeder Messervitrine ein Unikat. Michele Pensato aka „Moletta“ hat wieder einmal eine ungewöhnliche Konstruktion gewagt. Das Preis- Leistungsverhältnis des Messers  geht absolut in Ordnung. Das TM1 hat mich trotz anfänglicher Skepsis positiv überrascht, im Ergebnis würde ich als eher zu einem „voll gut“ tendieren. Ob man es kauft oder nicht hängt mehr vom Vertrauen des Messerfreundes in die Konstruktion des TM1 als von dessen Eigenschaften ab.


BKT Desert
BKT Marshland
BKT Snow
BKT Woodland

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Links und Bewertung

LionSteel TM1 - Bewertung