Oh weh, das Reizwort „Vollautomat“ gleich in der Überschrift, doch Abwehr und Skepsis sind unnötig. Zwei Messer des kalifornischen Herstellers Pro-Tech Knives dürfen nicht nur in Deutschland legal besessen werden, sie sind zudem auch technisch interessant. Typisch für Pro-Tech Knives erfolgt die Klingenverriegelung per Button Lock und damit schwirrt schon das zweite Reizwort durch den Ring. Das Augenmerk im Review liegt also nicht nur auf den charakteristischen Eigenschaften von Strider / Pro-Tech PT und dem von Pro-Tech entwickelten Godson, sondern auch auf Zuverlässigkeit und Ergonomie der „Ein-Knopf“ Bedienung.

Inhalt und Übersicht

Die Region zwischen San Francisco und San José im US-Bundesstaat Kalifornien beherbergt im Silicon Valley einen der bedeutendsten Standorte der IT- und Hightech-Industrie weltweit. Über Apple, Google, Yahoo, Intel und dem Autohersteller Tesla hinaus sind Hunderte Firmen mit klangvollen Namen in dieser Region angesiedelt. Doch auch abseits des Silicon Valley ist Kalifornien keine technologische Wüste. Südlich von Los Angeles setzt Vanquest Maßstäbe bei taktischer Ausrüstung und fast nebenan in Artesia entstehen Messer, die regelmäßig auf der Blade Show Furore machen. Die Rede ist von Pro-Tech Knives.

Pro-Tech Knives

Wie immer, wenn das erste Produkt eines Herstellers bei Knife-Blog zum Review bereit liegt, beginnt der Bericht mit einer kurzen Vorstellung des Unternehmens. Pro-Tech Knives wurde 1998 von Dave Wattenberg gegründet.

Vom ersten Tag lag der Fokus von Pro-Tech auf der Herstellung von Taschenmessern, wobei sich schnell eine Bauform als Schwerpunkt herauskristallisiert hat: Vollautomaten, also Taschenmesser mit automatischer Klingenöffnung.

Volksmund und Gesetzgeber nennen diese Bauform gerne stigmatisierend „Springmesser“, obwohl die Messer weder springen, noch gefährlicher sind als andere Einhandmesser.

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Pro-Tech Knives brauchte einige Jahre, um seinen Weg zuerst in die amerikanische, später in die internationale Messerszene zu finden. Zunächst stellte die Firma neben Taschenmessern auch Fixed Blades und Balisong her. Mit seinem Modell „FlyFather“ katapultierte sich Pro-Tech Knives fast aus dem Stand in die erste Liga der Balisong Hersteller und der Newcomer konnte viele Mitglieder der kritischen Balisong-Szene überzeugen.

Doch letztlich blieben die Stückzahlen – wie immer bei diesem Messertyp – gering und schließlich verschwanden die Schmetterlinge wieder von der Homepage des Herstellers. Das aktuelle Angebot von Pro-Tech Knives zeigt eindeutig, wo die Kernkompetenz des Unternehmens liegt: 327 Modellen von Automatikmessern stehen vier Fixed Blades, sechs Halbautomaten und ganze 16 Messermodelle mit manueller Öffnung gegenüber. Wie Spyderco und Olamic Cutlery wird auch Pro-Tech Knives bis heute von Dave Wattenberg als Familienunternehmen geführt.

Pro-Tech Knives / Strider PT, Front

Die hohe Zahl von Taschenmessern mit Öffnungsautomatik bei Pro-Tech legt nahe, das Augenmerk ausnahmsweise auf diesen – in Deutschland gesetzlich beschränkten – Messertyp zu legen. Nicht ein, sondern zwei Modelle stehen bei dieser Firmenvorstellung im Fokus. Der Unterschied könnte nicht größer sein: Während das Pro-Tech / Strider Auto G9 Custom ein optisch recht unspektakuläres Arbeitsmesser ist, kommt das Godson 706-DB mit einer dolchähnlichen Klinge und Echtholz Inlays in den Griffschalen. Keine Sorge wegen der Technik: Beide Messer dürfen in Deutschland legal geführt werden.

Total legal
Messer mit Öffnungsautomatik dürfen in Deutschland legal besessen werden, wenn die Klingenlänge weniger als 8,5 Zentimeter beträgt. Da Vollautomaten bauartbedingt zu den Einhandmessern gehören, unterliegen sie ebenso dem Führverbot wie Messer mit manueller Einhandbedienung. Alle Details zu erlaubten und verbotenen Messern befinden sich im Artikel „Das deutsche Waffenrecht für Messer einfach erklärt“.

Pro-Tech Knives produziert von neben seinen soliden und gelegentlich schmucklosen Arbeitsmessern auch Customs, deren künstlerische und handwerkliche Qualität dem Hersteller bereits zahlreiche Auszeichnungen beschert hat. Insgesamt neun Mal konnte ein Messer des kalifornischen Herstellers auf der Blade Show den Titel „Investor Collector Knife of the Year“ gewinnen, der für besonders sammelwürdige und wertbeständige Messer verliehen wird. Von 2017 bis 2019 gelang Pro-Tech Knives ein lupenreiner Hattrick, indem die Firma den begehrten Titel drei Jahre in Folge gewinnen konnte. Spätestens ab diesem Zeitpunkt spielt Pro-Tech Knives in der höchsten Taschenmesser-Liga mit.

Auch Damastklingen oder durch künstlerisch gestaltete Griffe aufgewertete Basis-Modelle gehören seit Jahren zum Portfolio von Pro-Tech Knives. Dabei kann die Preisregion schnell vierstellig werden, trotzdem verkaufen sich die High-End Modelle wie frisch geschnitten Brot und tauchen anschließend nur relativ selten wieder im Second-Hand Markt auf.

Pro-Tech Knives PT USN 9

Pro Tech / Strider PT

Kooperationen zwischen Strider und Pro-Tech Knives gibt es schon seit geraumer Zeit. Bekannt und verbreitet ist die Pro-Tech Version des Strider SnG, das in einer Vielzahl von optischen Varianten angeboten wird. Nun folgt mit dem kleineren und sehr populären PT eine weitere Collab.

Täuschend ähnliche Nachbauten der Strider Originale sind die Modelle von Pro-Tech nicht, tatsächlich unterscheidet sich dieses Pro-Tech Modell des PT von Strider Messern außer in der Formgebung beinahe in jedem Detail. Während das Strider PT in seiner Basisversion eine Grundplatte aus Titan mit Framelock sowie eine G-10 Griffschale auf der Presentation Side besitzt, besteht der Griff des Pro-Tech Knives PT aus zwei Aluminium Halbschalen.

Bei Öffnung und Klingenverriegelung implementiert Pro-Tech das gleiche Button Lock System, das auch bei der Mehrzahl der Pro-Tech eigenen Folder zum Einsatz kommt. Ein Druck auf den Knopf nahe der Achsschraube lässt die Klinge federunterstützt herausschnellen. Befindet sich die Klinge in verriegelter Position, kann sie durch einen erneuten Druck auf den Button entriegelt werden.

Dieses Bedienkonzept ist typisch für Messer des kalifornischen Herstellers und im Lauf der Zeit hat Pro-Tech das diffizile Button Lock technisch gut in den Griff bekommen.

Während Taschenmesser mit Button Lock von einigen anderen Herstellern immer wieder mit sicherheitsrelevanten Fehlfunktionen auffallen, kann man dem Button Lock von Pro-Tech grundsätzlich ein gutes Zeugnis ausstellen.

TUYA Knife HintergrundTUYA Knife Messer
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Steigerwald MesserSteigerwald Messer
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Auch das PT im Review macht in diesem Punkt keine Ausnahme. Die Federvorspannung des Pro-Tech PT ist gut kalibriert und befördert die Klinge mit Nachdruck ins Lock. Druck auf die Klinge oder ein Schlag auf den Klingenrücken beeindruckt das Pro-Tech PT nicht, die Klinge bleibt sicher in der verriegelten Position. Dabei hat der kleine Vollautomat die Physik auf seiner Seite, denn je kürzer die Klinge eines Messers mit Button Lock ist, desto geringer fallen Hebel- und Kraftwirkung auf den Verriegelungsbolzen aus.

Der Preisunterschied zwischen einem „echten“ Strider PT und dem Pro-Tech PT ist deutlich, aber nicht gewaltig. Während das aktuelle Strider PT Gen. 3 – allerdings mit Griffschalen aus Titan – für 350,- US-Dollar angeboten wird, kostet das Pro-Tech PT – je nach Ausführung – zwischen 160 und 300 Dollar. Keine Frage, die Lizenzkosten für das Strider Design lassen den Wunsch nach einem Schnäppchen-Angebot zum Traum werden. Gelegentlich tauchen solche Messer zu Sonderpreisen auch bei den Tools for Gents auf.

Der Preisvorteil hat zwei Gründe. Erstens fehlt der „Strider Bonus“, denn die Produkte mit dem „Flying Penis“ sind rar, die Nachfrage dementsprechend hoch und das treibt den Preis regelmäßig in gehobene Regionen. Zweitens spart die Materialwahl von Pro-Tech Knives einen Teil der Kosten ein. Aluminium statt Titan und auch der nicht mehr ganz zeitgemäße 154CM Stahl ist im Einkauf günstiger als pulvermetallurgische Klingenstähle.

Pro-Tech / Strider PT, geschlossen

Eine schlechte Wahl ist 154CM für ein Taschenmesser dieser Größe nicht, schließlich ist der Stahl das US-Pendant des bewährten ATS-34 (siehe: Messerstahl – Ein kleines Kompendium).

Schneidfreudig ist die knapp 70 Millimeter kurze Klinge auf jeden Fall; der Anschliff von Pro-Tech stellt manches Strider Original in den Schatten.

Auch die DLC-Beschichtung der Klinge gibt keinen Grund zur Klage, sie ist gleichmäßig und auch an den diffizilen Stellen makellos. Insgesamt kann man dem kleinen Vollautomaten ein sehr gutes Niveau bei Justage und Verarbeitung bescheinigen.

Pro-Tech Knives PT – Ergonomie und Verarbeitung

Die wohl größten Vorteile des Button Lock sind seine bequeme Bedienung und die intuitive Handhabung. Knopf drücken – fertig! Klingt einfach – ist einfach und funktioniert beim Pro-Tech Knives PT absolut zufriedenstellend. Bei der Handlage des Messers sind aufgrund seiner Größe die gleichen Einschränkungen hinzunehmen wie beim Strider Original: Spätestens ab Handschuhgröße 9.5 wird der Platz für die Finger knapp. Die Fingermulde am Ricasso gehört dem Zeigefinger, wodurch der Daumen auf dem Klingenrücken beinahe bis zur Spitze aufliegt. Trotzdem ist das PT von Pro-Tech kein Dreifinger-Messer, der zum Griffende breiter werdende Griff lässt für ein Messer dieser Größe eine erstaunliche gute und sichere Handlage zu.

Kommen wir zur Qualität und hier hinterlässt das Pro-Tech PT einen guten Eindruck. Den beiden Griffschalen aus Aluminium merkt man das Material nicht an. Sie wirken wie G-10 Griffschalen, bilden aber einen deutlich stabileren Rahmen. Die Außenseiten besitzen eine eingefräste, rutschhemmende Struktur, die Pro-Tech „Knurled Grip Pattern“ nennt. Auch haptisch hinterlässt das PT einen guten Eindruck. Das Messer im Test trägt die Modellbezeichnung G9 und ist ein für die USN G9 auf 120 Exemplare limitiertes Sondermodell.

Pro-Tech Knives Godson

Das Godson ist eine Eigenentwicklung von Pro-Tech Knives und ist die kleinere Version der Pro-Tech Ikone „Godfather Automatic Knife“. Mit diesem Messer gewann Pro-Tech 2014 den Titel “Investor/Collector Knife of the Year Award” des Blade Magazin. Der „Gottvater“ der Automatikmesser hat wesentlichen Anteil am raschen Prestigegewinn der kalifornischen Firma und das Messer ist bis heute ein Verkaufsschlager. Vor allem in Edelversionen mit Damastklinge und aufwendigen Verzierungen des Griffs zu Preisen oberhalb von 2.500 US-Dollar. Für deutsche Messerfans bleibt es aufgrund seiner gut 10 Zentimeter langen Klinge leider ein unerfüllbarer Traum.

Das Godson – also Gottvaters Sohn – wird vom deutschen Gesetzgeber nicht ans Kreuz genagelt. Mit 81 Millimetern bleibt die einseitig angeschliffene Klinge deutlich unter der bundesdeutschen Verbotsmarke. Als „kleines Messer“ würde ich das Godson dennoch nicht bezeichnen und seine Eignung als EDC wird eher von der Klingenform als von den Abmessungen geprägt.

Pro-Tech Knives Godson Burl Wood

Das Godson öffnet seine Klinge ebenfalls federbelastet durch einen Druck auf den gleichen Button, der später die Klinge wieder entriegelt. Beides funktioniert ebenso perfekt wie beim Pro-Tech PT, sodass alles dort Gesagte auch für das Godson gilt. Optisch könnten beide Messer allerdings kaum unterschiedlicher sein: Das geöffnete Godson zeichnet die Konturen eines typischen Dolchs nach.

Die Klinge verjüngt sich ab der Klingenwurzel deutlich und läuft in einer sehr schmalen Spitze aus. Obwohl das Messer auf Bildern wirkt, als wären Ober- und Unterseite der Klinge geschliffen, ist die Klingenoberseite als Swedge ausgeführt (holprig deutsch: ungeschärfte Rückenschneide). Bei Klingenstahl treffen wir erneut auf 154CM, der ausreichend zäh ist, um die feine Spitze nicht bei der ersten Ungeschicklichkeit wegbrechen zu lassen.

Technische Daten

Klingenlänge: 81 mm
Klingenstahl: 154CM
Klingenstärke: 2,75 mm
Grifflänge: 112 mm
Gewicht:79 Gramm

(Bild: Pro-Tech Knives)

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Ein Messer fürs Grobe ist das Godson natürlich dennoch nicht – und will es auch gar nicht sein. Es ist ein Messer fürs Filigrane, für die feinen Schnitte im Leben und ja, es filetiert eine Orange besser als die meisten „Food Preparation“ Messer. Kartons zerlegt das Pro-Tech KnivesGodson mit Begeisterung und öffnet ein Kuvert besser als jeder Brieföffner. Das Einsatzspektrum des Godson ist bei Weitem nicht so gering, wie die Dolchklinge auf den ersten Blick vermuten lässt. Und nein, ein Mordwerkzeug ist das Godson auch nicht. Ich erwähne das wohl wissend, dass kein Politiker es je glauben wird…

Das Godson kostet in der Standard Version bei Pro-Tech 320,- US-Dollar, taucht bei den üblichen Verdächtigen der amerikanischen Online-Händler-Szene aber auch bereits ab etwa 160,- Dollar auf. In Europa bieten die Tools for Gents das Messer ab 169,- Euro an. Nach oben ist die Skala offen. Wer möchte, kann für ein Godson (Semi-) Custom auch einen fünfstelligen Dollarbetrag auf den Kopf hauen.

Vom Godson produziert Pro-Tech Knives so viele Varianten, dass keine halbwegs vollständige Auflistung möglich ist. Als EDC ist es vielen „normalen“ Foldern mit Drop Point Klinge unterlegen – als Hingucker in der Messervitrine ist es in der Damastversion kaum zu schlagen.

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Titelbild: iStock.com:iLexx, Composition: Knife-Blog