Das Waffengesetz in Österreich gehört zu den liberalsten in Europa, dennoch sollte man sich mit den Bestimmungen vertraut machen. Bei unseren Nachbarn jenseits der Alpen sind auch Messer erlaubt, die in Deutschland als verbotene Gegenstände gelten. Österreich ist seit vielen Jahren eines der beliebtesten Urlaubsländer in Europa und Tourismus ist einer der bedeutenden Wirtschaftszweige der Alpenrepublik.

Inhalt und Übersicht

Wer nach Österreich reist und als Angler, Wanderer oder Outdoor-Sportler ein Messer mitführt, sollte Messerrecht und das Waffengesetz in Österreich kennen. Da die waffenrechtlichen Bestimmungen in jedem europäischen Land unterschiedlich sind, lässt sich kein Wissen vom Heimatland auf ein Reiseland übertragen. Das Wissen um gesetzliche Regelungen, Einfuhrbestimmungen und die Praxis im Land hilft, Ärger mit den Behörden zu vermeiden. Schließlich soll die schönste Zeit des Jahres nicht zum längsten Albtraum des Jahres werden …

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Österreich hat von allen europäischen Ländern die mit Abstand liberalsten Waffengesetze hinsichtlich Messern und Blankwaffen.

Tatsächlich kommen im österreichischen Waffengesetz die Worte „Messer“, „Säbel“, „Degen“, „Dolch“, „Schwert“ oder „Balisong“ überhaupt nicht vor.

Messerrecht und Waffengesetz in Österreich: Messer

Man kann das österreichische Waffengesetz hinsichtlich Messern mit drei Worten erklären: Nichts ist verboten. Sie dürfen vom Laguiole bis zum Hightech Balisong alles besitzen und auch ein Trageverbot kennt das Gesetz in Österreich nicht. Einschränkungen gibt es nur für Asylbewerber und Menschen, die sich widerrechtlich in Österreich aufhalten (siehe Sonderregelungen).

Auch Messer mit feststehender Klinge dürfen Sie offen und verdeckt tragen unabhängig von Größe oder Bauform des Messers. Beschränkungen hinsichtlich Öffnungsmöglichkeiten, Verriegelungssystemen oder Größe von Klappmessern kennt man in Österreich ebenso wenig.

Update: Zum 01. Januar 2019 hat Österreich Änderungen im Waffengesetz vorgenommen, nach der nahezu alle Gegenstände mit einer Klinge oder Spitze für bestimmte Personengruppen verboten sind. Die Verschärfungen gelten für Asylwerber, Asylberechtigte und unrechtmäßig in Österreich aufhältige Drittstaatsangehörige. Bisher war diesen Gruppen nur der Besitz von Schusswaffen verboten, mit der Gesetzesnovelle wird das Verbot auf Munition sowie die meisten Hieb- und Stichwaffen ausgedehnt. Touristen, die sich legal in Österreich aufhalten, sind von den Verboten nicht betroffen.

Waffengesetz in Österreich: Balisong sind legal
Balisong, Automatikmesser und alle anderen in Deutschland verbotenen Bauformen von Messern dürfen in Österreich besessen und geführt werden.

Waffengesetz in Österreich: Verbotene Gegenstände

Einige wenige Verbote ergeben sich aus den §1 WaffG (Österreich) und §17 WaffG (Österreich). In den ersten neuen Paragraphen werden hauptsächlich Definitionen vorgenommen und in §1 heißt es:

Waffen sind Gegenstände, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind,

1. die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen durch unmittelbare Einwirkung zu beseitigen oder herabzusetzen oder
2. bei der Jagd oder beim Schießsport zur Abgabe von Schüssen verwendet zu werden.

Punkt eins schließt also Hieb- und Stichwerkzeuge grundsätzlich ein.

In §17 werden Verbote geregelt und wie bereits gesagt, das Wort „Messer“ kommt auch in diesem Abschnitt nicht vor.

(1) Verboten sind der Erwerb, die Einfuhr, der Besitz, und das Führen
1. von Waffen, deren Form geeignet ist, einen anderen Gegenstand vorzutäuschen, oder die mit Gegenständen des täglichen Gebrauches verkleidet sind;
[…]
6. der unter der Bezeichnung „Schlagringe“, „Totschläger“ und „Stahlruten“ bekannten Hiebwaffen.

Das Verbot der genannten Schlaginstrumente ist offensichtlich. Darüber hinaus würden aber auch Stockdegen, Gürtelschnallenmesser, Scheckkartenmesser und die als „Dogtag“ (Hundemarke) bekannt gewordenen Minimesser fallen. Letztere entsprechen in Größe und Erscheinung einer militärischen Identifikationsmarke und werden wie diese an einer Kette um den Hals getragen, besitzen aber eine herausklappbare Klinge.

(Quelle: Bundesministerium für Justiz der Republik Österreich)

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Sonderregelung in Österreich

Im Januar 2019 ist in Österreich eine Revision des Waffenrechts in Kraft getreten. Die Verschärfungen gelten für Asylbewerber, Asylberechtigte und unrechtmäßig in Österreich aufhältige Drittstaatsangehörige. Bisher war diesen Gruppen nur der Besitz von Schusswaffen verboten, mit der Gesetzesnovelle wird das Verbot auf Munition sowie die meisten Hieb- und Stichwaffen sowie Messer ausgedehnt. Touristen, die sich legal in Österreich aufhalten, sind von den Verboten nicht betroffen, betont die österreichische Regierung.

Touristen müssen darauf achten, keinem Mitglied einer der vorgenannten Gruppen einen für sie verbotenen Gegenstand zu verkaufen oder zu überlassen.

Messerrecht und Waffengesetz in Österreich: Schusswaffen

Für die Mitnahme von Schusswaffen gelten die üblichen europäischen Bestimmungen. Verboten sind Einfuhr und Besitz von Schrotflinten mit einer Gesamtlänge von weniger als 90 Zentimetern und von sogenannten Pumpguns (Vorderschaftrepetierer). Selbstverständlich gibt es Beschränkungen hinsichtlich vollautomatischen Waffen und Kriegswaffen aber wer solche Waffen mitführt, wird es ohnehin kaum bis zur österreichischen Grenze schaffen …

Wissenswert bei Reisen nach Österreich

Österreich ist der real existierende Beweis, dass eine restriktive Waffengesetzgebung hinsichtlich Besitz und Führen von Messern keine signifikante Auswirkung auf die Zahl von Straftaten hat. Im Jahr 2015 besaß Österreich ca. 8,7 Millionen Einwohner. Die Kriminalstatistik des österreichischen Bundeskriminalamts weist für das Jahr 2015 insgesamt 40.333 Gewaltstraftaten aus. Deutschland hat trotz seiner extrem restriktiven Gesetzgebung einen mehr als doppelt so hohen Wert. Rund 81,2 Millionen Einwohnern standen im Jahr 2014 über 890.000 Gewaltstraftaten gegenüber.

Aus den Zahlen ergeben sich zwei Erkenntnisse. Erstens ist die Gefahr, Opfer einer Gewaltstraftat zu werden, in Deutschland mehr als doppelt so hoch als in Österreich (OE: 1 Gewaltstraftat pro 215 Einwohner und Jahr, DE 1 Gewaltstraftat pro 91 Einwohner und Jahr). Zweitens zeigt sich, dass die Beschränkung hinsichtlich Messer und Waffen im Allgemeinen nicht von dem Personenkreis beachtet wird, die bereits sind, Straftaten zu begehen.

In Deutschland werden Besitz und Tragen von Messern durch das Waffengesetz also nur für die Menschen eingeschränkt, die ohnehin nicht strafrechtlich in Erscheinung treten. (Quellen: Bundeskriminalamt Österreich, Bundeskriminalamt Deutschland)

Der Begriff „Felix Austria“ hat Eingang in unsere Umgangssprache gefunden und ist eine Verkürzung der Wendung „Tu felix Austria“. Der Ausdruck wurde vom ursprünglichen Sinn übertragen und bezieht sich heute etwa auf die Lebensweise der österreichischen Bevölkerung, den (vermeintlich) glücklichen Zustand des Staates, seines Rechtssystems, seines Kulturbetriebs und dem Luxus, sich mit „frivolen Nebensächlichkeiten“ beschäftigen zu können.

Wer den gesetzlichen Rahmen betrachtet, der österreichischen Messerfreunden weitgehende Freiheit und Selbstbestimmung gewährt, kommt um ein lautes „Felix Austria!“ nicht herum!

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