Wer hat schon einen Künstlernamen? Marvin Lee Aday hat einen, er wurde als „Meat Loaf“ weltberühmt. Reginald Kenneth Dwight hat auch einen und wurde zu „Elton John“, Gabriele Kerner kennt jeder nur als „Nena“. Messermacher haben keine Künstlernamen, auch dann nicht, wenn sie Künstler sind. Sie heißen Jürgen, Eckhard, Steffen, Friedrich oder Joe. Doch halt, eine Ausnahme gibt es in Deutschland: Heidi Blacksmith! Hinter dem englischen Pseudonym mit vermeintlich schwizerdütschem Einschlag verbirgt sich Markus Heidgen, ein Autodidakt in Sachen Messerherstellung, den viele Messerfans nur als „Heidi“ kennen.

Inhalt und Übersicht

„Namen sind etwas für Grabsteine, Baby“, raunzte einst Filmbösewicht „Mr. Big“ und schnitt James Bond damit rüde das Wort ab. Doch in der Messerwelt ist der Name alles: Markenzeichen, Qualitätsversprechen, Kernstück der Corporate Identity und letztlich auch ein Faktor für Prestige und Preis eines Messers. Viele Firmen stecken Unsummen in Namen, Marke und Marketing, aber Markus Heidgen hat dafür keinen Cent investiert und sich seinen Markenkosenamen durch Leistung erarbeitet.

Markus Heidgen alias Heidi Blacksmith

Eine Faszination für Messer besitzt Markus, solange seine Erinnerung zurückreicht. Irgendwann in der Zeit zwischen Schulabschluss und Studienbeginn entstand der Wunsch, selbst einmal ein Messer herzustellen. Ohne Werkstatt und ohne Maschinen musste er in seiner Studenten-WG ordentlich improvisieren, doch schließlich entstand aus dem Bausatz eines Messers im nordischen Stil nicht unbedingt ein schönes, aber immerhin ein brauchbares Werkzeug.

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Dem ersten Messer folgte schnell ein zweites, drittes, viertes, fünftes und mittlerweile besaß Markus einige Fertigkeiten bei Gestaltung und Anpassung von Griffschalen.

Der nächste Schritt war zwangsläufig. Markus besorgte sich ein Stück Stahl, arbeitete die Form des Messers heraus, gestaltete die Klinge und schliff die Schneide in tagelanger Handarbeit.

Während die Semester sich zäh wie Kleister dahinziehen, sucht Markus eine Entscheidung: Als selbstständiger Messermacher seiner Leidenschaft nachgehen oder doch lieber weiter an der Uni Sonderpädagogik auf Lehramt studieren?

Zwei Dinge wurden schnell klar. Die Sache mit dem Studium war irgendwie durch und zum Messermachen fehlten nicht nur Maschinen und jede Menge Kenntnisse, auch eine passende Werkstatt war nicht aufzutreiben. Vom Startkapital ganz zu schweigen. Frust! Markus schmiss sein Studium kurz vor dem Staatsexamen und nahm eine Stelle im Baugewerbe an. Der Zufall ließ ihn Fliesenleger werden und mehr als ein Jahrzehnt blieb er dieser Profession treu.

Fixed Blade mit Damastklinge von Heidi Blacksmith
Fixed Blade mit Damastklinge im typischen Heidi Blacksmith Design

Zeitsprung. Heute bewohnt Markus zusammen mit seiner Frau einen Kotten, einen alten Bauernhof, einige Kilometer außerhalb von Paderborn. Den Job auf dem Bau hat Markus zwischenzeitlich aufgegeben und arbeitet seit einigen Jahren als Betreuer in einer Behindertenwerkstatt. Der Kotten ist ausgebaut, mit viel Hingabe renoviert und aus der Scheune ist inzwischen eine kleine, aber feine Messermacherwerkstatt geworden.

Auch messertechnisch hat sich in den fünfzehn Jahren viel getan, die zwischen dem ersten Selbstgemachten und der Gegenwart liegen. Markus Heidgen hat einen typischen Messerstil entwickelt, der weniger durch Klingengröße oder Materialwahl bestimmt ist, sondern auf charakteristischen Proportionen und wiederkehrenden Radien beruht.

Irgendwann prägte ein Zeitgenosse in Anlehnung an Markus‘ Nachnamen den Spitznamen „Heidi“. Einmal etabliert war dieser Name kaum mehr aus der Welt zu schaffen und schließlich wurde „Heidi“ zu „Heidi Blacksmith“, also: Heidi, der Messerschmied.

Heidi Blacksmith Messer mit Federdamast von Andreas Kolleth

Heidi Blacksmith Messer mit Federdamast von Andreas Kolleth

Heidi Blacksmith betreibt die Messermacherei noch immer parallel zu seiner beruflichen Tätigkeit und möchte an diesem Zustand auch zukünftig nichts ändern. „Etwa zehn bis zwölf Stunden pro Woche bringe ich mit der Herstellung von Messern zu“, erklärt Heidi im Interview bei Knife-Blog, „und auf diesem Level möchte ich es auch lassen. Messermachen ist für mich ein Hobby, es macht mir Spaß und ich kann herrlich dabei entspannen. Es soll kein Stress werden, kein Druck durch Termine oder wirtschaftliche Zwänge entstehen.“

Im Moment“, so erklärt Markus, „führe ich das ideale Leben. Mein Beruf macht mir Spaß und die Messermachererei ist die ideale Ergänzung. Beides kann ich zeitlich gut unter einen Hut bringen und es bleibt auch genügend Zeit für Unternehmungen mit meiner Frau.

Heidi Blacksmith Design

Viele Messer von Markus Heidgen erkennt man schon an ihrem Umriss, aber spätestens, wenn das Licht angeht. Der Wiedererkennungswert beruht hauptsächlich auf dem Längenverhältnis zwischen Klinge und Griff, sowie einer Proportion zwischen Griff- und Klingenhöhe. Klingt komplizierter, als es ist. An der Klingenwurzel ist die Klinge deutlich höher, als der Griff und Letzterer ist auch länger als die Klinge. Ebenso charakteristisch sind das Fehlen von Schleifkerbe und Ricasso.

Mit engem Bogen senkt sich der Erl und geht ohne Fehlschärfe in die Schneide über.

Die Wirkung dieses Designs geht weit über den optischen Eindruck hinaus, denn Heidi nutzt die Klingenlänge optimal und verschenkt keinen Millimeter Schneide.

So werden aus kleinen Fixed Blades erwachsene Messer, die im Alltag jede EDC-Aufgabe bewältigen können.

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Die Radien an der Klingenwurzel und die Steigung der Klinge in Richtung Spitze sind nicht weniger prägnant. Der Klingenrücken weist bei vielen „Heidis“ eine Gerade auf, oder senkt sich nur minimal in Richtung Klingenspitze. Die Schneide hingegen beschreibt einen starken Bogen und zeigt oft nur auf den ersten drei, vier Zentimetern hinter der Klingenwurzel eine gerade Linie. Das bemerkenswerte daran ist, dass es Heidi Blacksmith mit wenigen designtechnischen Kunstgriffen gelingt, eine sehr ausgeprägte optische Prägnanz zu erzeugen.

Einfach Heidi

Hast du Lieblingsmaterialien, arbeitest du besonders gern mit einem bestimmten Klingenstahl?“, frage ich Heidi.

Ich mag den guten, alten AISI D2 Stahl“, erzählt Heidi, „und weiß natürlich, dass nicht alle Messerfans diesen Stahl schätzen. Natürlich ist D2 ein Kompromiss“, erklärt Heidi weiter, „er ist in keinem Bereich absolute Spitze, hat dafür aber auch keine Schwächen. D2 ist schnitthaltig, sehr hart, lässt sich gut nachschliefen, ist für kleine Fixed ausreichend zäh und hat ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Knife-Blog: „Fragen deine Kunden nach Damaststahl oder nach pulvermetallurgischem Hexenzeug?“

Heidi Blacksmith: „Ja, beides wird zunehmend ein Thema. Ich arbeite schon seit Längerem mit handgeschmiedetem Damast von Andreas Kolleth und in letzter Zeit auch immer öfter mit Damast aus der Schmiede Balbach. Beide haben traumhaft schöne Stähle und es macht Spaß, mit solchen Materialien zu arbeiten.“

Knife-Blog: „Und die technisch-nüchternen PM-Stähle?“

Heidi Blacksmith: „Das mit dem Hexenzeug kannst du wörtlich nehmen! Ich habe kürzlich die ersten Klingen aus CPM-S110V gemacht, Die Kryotechnik und das Anlassen sind eine ganz andere Welt als bei den alten Werkzeugstählen. Da kannst du nicht mal eben nur eine Klinge machen, dafür ist das Herunterkühlen zu aufwendig und zu teuer. Also muss ich ein paar Klingen sammeln und die Messerfans müssen sich etwas länger in Geduld fassen.“

Markus "Heidi" Heidgen am Bandschleifer

Knife-Blog: „Im Review des Messers aus deiner Zusammenarbeit mit Bestech Knives hatte ich ja das Thema M390 angerissen. Ist der Stahl ein Thema für dich?“

Heidi Blacksmith: „Definitiv. Erste Erfahrungen mit M390 habe ich gesammelt, da wird es zukünftig sicherlich Messer mit diesem Klingenstahl geben. Auch RWL34 steht auf meiner To-do-Liste.“

Knife-Blog: „Eine Frage zum Griffmaterial. Gehen deine Vorlieben eher in Richtung Edelholz, fossile Materialien oder moderne Werkstoffe, wie Carbon, C-Tek oder Composites wie Raffir Noble?“

Heidi Blacksmith: „Emotional sprechen mich Hölzer am meisten an. Vor allem Walnuss besitzt atemberaubende Maserungen. Leider ist Walnuss bei Büchsenmachern sehr beliebt und in guter Qualität nur schwer zu bekommen. Tierischen Materialien verwende ich auch gern, solange Artenschutz und legaler Import gewährleistet sind, aber auch Carbon, Composites und sogar G-10 haben durchaus ihre Reize. Beim Griffmaterial bin ich, ehrlich gesagt, ziemlich offen. Für Altes und für Neues.“

Knife-Blog: Deinen kleinen Fixed kennt inzwischen jeder Messerfan in Deutschland, der auf Facebook oder in einem Forum unterwegs ist. Werden wir auch einmal ein völlig untypisches Heidi sehen, vielleicht ein Camp-Knife oder ein großes Einsatzmesser? Vielleicht eine Orgie taktischer Elemente von Swedge bis Rückensäge?“

Heidi Blacksmith: Du wirst lachen, Tom, ich habe gerade ein riesiges Stück Stahl in Arbeit. Das geht in die Richtung Survival Knife, aber ich komme zurzeit kaum dazu, die Arbeit an diesem Messer fortzuführen. Ständig kommt etwas anderes dazwischen. Wenn ich Lust auf etwas völlig Neues oder etwas richtig Extravagantes habe, werde ich das realisieren. Messermachen ist schließlich mein Hobby und der Spaß soll durch Eintönigkeit nicht verloren gehen. Ein Schwert werde ich sicher auch eines Tages in Angriff nehmen. Das ist schon lange ein Traum von mir.“

Messer von Heidi Blacksmith
Nicht nur Physiker haben ein Standardmodell, auch Heidi Blacksmith hat eines…

Messer von Heidi Blacksmith

Markus Heidgen fertigt Einzelstücke. Jedes Messer entsteht in freier Formgebung, ohne Schablonen oder festgelegte Abmessungen. Dafür hält er die erwähnten Radien penibel ein. Dass er mit seinem Stil des Messermachens auf dem richtigen Weg ist, zeigt der Erfolg; Markus‘ Customs gehen über das Internet weg, wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Etwa dreihundert Euro muss ein Messerfan heute für ein Werk von Messermacher Heidi Blacksmith auf den Tisch legen. Das ist wohlgemerkt die Einstiegsklasse mit D2 Stahl. Je höher der Materialeinsatz, desto höher natürlich der Preis, denn ein guter Kantel stabilisiertes Walnussholz treibt den Preis bereits spürbar nach oben. Deutlich teurer wird es, wenn Damaststähle von Andreas Kolleth oder Rosendamast von Markus Balbach zum Einsatz kommt. Je nach Symmetrie und Kontrast des Damastmusters kann ein solches Stück Stahl im Einkauf schon mit mehr als 100,- Euro zu Buche schlagen. Kein Wunder also, dass das fertige Messer doppelt so teuer wie ein „Standard-Heidi“ werden kann.

Nicht jeder Messerfan kann mal eben einen „lila Schein“ für ein neues Schneidwerkzeug ausgeben. So kam die Idee ins Rollen, gemeinsam mit einem potenten Partner ein von Markus Heidgen entworfenes Serienmesser auf den Markt zu bringen. Durch Vermittlung und Unterstützung von Sascha Stoelp wurde das Modell No. 1 in Zusammenarbeit mit Bestech Knives realisiert. Das Messer traf den Nerv der Fans und innerhalb weniger Tage war die erste Produktionsserie ausverkauft. Zurzeit sind noch einige Messer aus der zweiten Produktionsserie verfügbar.

Den Sprung über den Teich hat Heidi Blacksmith mit dem Messer aus der Bestech Kooperation auch geschafft. Selbst bei den großen US-Online-Händlern sind heute Messer aus dem Kotten nahe Paderborn gelistet. Weitere Kooperationsmodelle sind angedacht und die Planungen werden in Kürze anlaufen. Es wird auf jeden Fall ein spannendes Messer – mehr wird an dieser Stelle noch nicht verraten…


BKT Desert
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Die Fotos der Messer stammen von Heidi Blacksmith, das Bild am Bandschleifer wurde von der Altonaer Silber Werkstatt zur Verfügung gestellt.