Dass man durch ein Messer verletzt werden kann, weiß jeder. Dass man durch ein Messer, das man in seiner Hosentasche trägt, ums Leben kommen kann, ahnt hingegen kaum jemand. Urlaubszeit oder Blade Show locken regelmäßig viele Touristen in die USA, aber kaum ein Reisender weiß, welches Messer er am Zielort mit sich führen darf. Bei Unwissenheit ist Ärger mit den Behörden vorprogrammiert und der kann ausgesprochen handfest ausfallen. Damit der Urlaub bei Uncle Sam nicht auf Rikers Island endet, hier ein kleiner Leitfaden für USA Reisen für Messerfans.

Inhalt und Übersicht

Vor einigen Monaten hat sich in Baltimore, Maryland ein Vorfall ereignet, der symptomatisch für die aktuelle Situation hinsichtlich des Tragens von Messern in den USA ist. Ein junger Farbiger – Freddie Gray – war in einem heruntergekommen Viertel von Baltimore unterwegs. In seiner Hosentasche trug er ein halbautomatisches Taschenmesser, in den USA „Switchblade“ oder „Semi-Automatic“ genannt.

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Was anschließend passierte, ist nur teilweise bekannt.

Offenbar versuchte Gray, sich durch Weglaufen einer Kontrolle zu entziehen, wurde gestellt, in einen Gefangenentransporter verladen, zur Polizeiwache gebracht und …

… starb einige Tage später.

Was in diesem Fahrzeug passierte, welche Rolle die sechs an der Verhaftung beteiligten Polizisten spielten und warum Freddie Gray beim Eintreffen an der Polizeistation bereits ohnmächtig war, ist bis heute völlig unklar.

Das Waffengesetz in Maryland verbietet weder den Besitz noch das Führen von Taschenmessern aller Art. Messer sind in Maryland allerdings grundsätzlich offen zu tragen, und genau dieser Punkt könnte Freddie Gray zum Verhängnis geworden sein.

Im Gegensatz zum deutschen Waffenrecht wird in fast allen Bundesstaaten der USA das rechtmäßige Führen eines Messers davon abhängig gemacht, ob es sich sichtbar am Gürtel oder der Ausrüstung (Rucksack etc.) befindet oder verdeckt-versteckt transportiert wird. Trägt man ein halbautomatisches Messer („Assisted Opener“) in Maryland verborgen unter der Kleidung, begeht man einen Verstoß gegen das Waffengesetz. Auch ein Messer in der Hosentasche gilt als verdecktes Tragen.


Mit Messern in die USA reisen

Ein Wort vorweg: Jeder kennt die im Gegensatz zu Deutschland liberalen Gesetze hinsichtlich des Besitzes von Schusswaffen in den USA. Manche lassen sich dadurch zum Glauben verleiten, dass da, wo Schusswaffen erlaubt sind, Messer nicht verboten sein können. Ein Irrtum wie sich gleich zeigen wird …

Im Gegensatz zu Deutschland, wo ein einheitliches Waffengesetz von Flensburg bis Garmisch gilt, hat in den USA jeder Bundesstaat die Möglichkeit, eigene Gesetze und Vorschriften für Schusswaffen oder Messer zu erlassen. Das führt dazu, dass die Mitnahme eines Taschenmessers in der Hosentasche in einem Bundesstaat erlaubt sein kann, aber 10 Meilen weiter verboten ist.

Aus diesen Gründen ist es unerlässlich, sich vor Reiseantritt über die Vorschriften in allen Bundesstaaten zu informieren, in denen man sich aufhalten möchte oder die man auf seiner Reiseroute durchquert.

Eine detaillierte Aufstellung der Waffengesetze für Messer in allen US-Bundesstaaten finden Sie hier:

Waffengesetz in den USA – Messer (Teil 1, A -M)

Waffenrecht in den USA – Messer (Teil 2, N bis W)

Bleiben wir beim Beispiel Maryland. Wer flüchtig den Gesetzestext liest, findet eine Aufzählung, nach der alle Messer legal getragen werden dürfen. Doch ein paar Paragrafen weiter unten werden die anfänglich liberal klingenden Vorschriften präzisiert und es heißt: „A person may not wear or carry a dangerous weapon of any kind concealed on or about the person“ („Keine Person darf eine gefährliche Waffe verdeckt tragen oder transportieren“). Plötzlich stehen Sie vor einer schärferen Verbotsregelung, als Sie von Deutschland gewohnt sind. Nach dem eben genannten Paragrafen (§ 4-101. Dangerous weapons – C) ist das Führen eines nicht sichtbaren Messers verboten.


Kontrollen durch die Polizei

Leider wird es noch etwas unübersichtlicher, denn abseits der Aufzählung erlaubter und verbotener Messertypen und deren Trageweise unterscheidet sich auch das Polizeirecht zwischen Deutschland und den USA gewaltig.

In Deutschland muss zur Kontrolle eines Bürgers ein begründeter Verdacht auf strafbares Handeln oder der Absicht strafbare Handlungen vorzubereiten vorliegen. Die sogenannten Waffenverbotszonen, in denen keine Unschuldsvermutung gilt, lassen wir an dieser Stelle einmal außen vor.

USA Reisen: Map legal carry Auto Knives

USA Reisen: Übersicht der Bundesstaaten, in denen OTF getragen werden dürfen.
(Grafik von Autoknife, Stand September 2019)

In den USA ist der Ermessensspielraum der Behördenvertreter grundsätzlich größer. Jeder Polizist („Officer“) kann einen Passanten verdachtsunabhängig kontrollieren. In Amerika genügt es, wenn ein Polizist jemanden „verdächtig“ findet und dieser Begriff lässt sich natürlich wie Kaugummi in jede Richtung ziehen.

Ein erkennbarer Tourist, der sich nicht auffällig verhält, wird kaum ins Visier der Polizei geraten. Die Stolperfalle für Touristen ist ihre mangelnde Ortskenntnis. Touristen wissen nicht, welche Straßen, Kreuzungen oder Geschäfte als Drogenumschlagplatz oder Kriminalitätsschwerpunkt gelten. Dabei kann es sich um eine dunkle Gasse in Overtown (Miami) oder um einen hell erleuchteten Seven-Eleven Supermarkt handeln. Orte, an denen Personen aus dem kriminellen Milieu verkehren, werden von der lokalen Polizei intensiv überwacht.

Wer als Tourist also mit quietschenden Reifen vor diesem Supermarkt zum Stehen kommt und mit einigen Geldscheinen in der Hand durch die Tür stürmt, hat beste Chancen beim Verlassen des Ladens auf eine Gruppe uniformierter oder verdeckter Ermittler zu treffen. Diese haben, bei Verdacht auf ein Drogendelikt, entweder bereits eine Schusswaffe in der Hand oder zumindest eine Hand an der Pistole im Holster.

Die Art der Kontrolle unterscheidet sich deutlich von dem, was der durchschnittliche Europäer gewohnt ist. In den USA gibt es eine „oberflächliche Leibesvisitation“, die „stop and frisk“ genannt wird und die jeder Polizist jederzeit durchführen kann. Dabei hält sie der Polizist an („stop“) und tastet ihre Kleidung von außen nach verdeckten Waffen ab („frisk“).

Das Wichtigste bei einer bevorstehenden Polizeikontrolle: Weisen Sie die Beamten auf ein eventuell mitgeführtes Messer hin, bevor die Durchsuchung begonnen hat. Lernen Sie die benötigten Sätze und Vokabeln vor der Reise auswendig, wenn Sie der englischen Sprache und dem lokalen Slang nur eingeschränkt mächtig sind!

Unter die Kleidung, in Taschen oder in den Genitalbereich darf der Polizist nicht greifen, wenn kein begründeter Verdacht auf eine Straftat vorliegt. Dafür darf er – schon bei einer Routinekontrolle – Gewaltmittel anwenden, wenn sie sich der Leibesvisitation verbal, tätlich oder durch Flucht widersetzen. Zu welchem Gewaltmittel der Polizist greift, bleibt allein ihm überlassen. Wer Glück hat, macht Bekanntschaft mit einem Taser, wer Pech hat landet mit einer Schusswunde im Hospital. Also immer brav stehen bleiben und höflich bleiben. Aber nicht zu freundlich lächeln, das macht Sie nur unnötig verdächtig …


Urlaub in Florida

Urlaub in Florida? Prima Idee! Florida ist sehr liberal was das Tragen von Messern angeht. Fast alles ist erlaubt, auch Butterflymesser dürfen heute wieder offen getragen werden! Bevor sie allerdings auf die Idee kommen, ihren Mojito auf der Collins Avenue mit einem Benchmade 42 am Gürtel zu schlürfen, hier ein paar Tipps.

Grundsätzlich dürfen Messer in Florida nur offen getragen werden, das verdeckte Tragen stellt eine strafbare Handlung dar („Criminal Offense“)!

Balisong sind in Florida legal, Springmesser sind ebenfalls, sogar große Fixed Blades dürfen legal getragen werden.

Aber eben nur so lange, wie die Messer offen sichtbar sind und nicht auf den Party-Meilen von Miami oder Daytona Beach.

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Slip-Joints und klassische Taschenmesser, dazu zählen neben Schweizer Offiziersmessern auch Multitools, können verdeckt getragen werden, sofern die Klingenlänge vier Zoll (ca 10 Zentimeter) nicht überschreitet. Die Verbote richten sich an jene Bauformen von Taschenmessern, die als „Switchblades“ gelten.

Vorsicht vor Schlussfolgerungen. In einem Einkaufszentrum oder Restaurant bemerken Sie mehrere Amerikaner, die Balisong oder Vollautomaten verdeckt tragen. Da keine dieser Personen den Eindruck erweckt, einer kriminellen Gruppierung anzugehören, scheint das Tragen verdeckter Switchblades also erlaubt zu sein. Dafür benötigt man aber eine „Concealed Weapon Permit“, also eine Art Waffenschein. Die beobachteten Personen haben diese Erlaubnis vermutlich, Touristen haben sie nicht.

Eine Gürteltasche kann durchaus zum Streitfall werden, denn in einer Leder- oder Corduratasche ist das Messer nicht für jedermann als solches erkennbar. In der Tasche könnte schließlich auch ein Multitool oder ein Pager stecken! Bitte tragen sie in Florida niemals Messer bei Veranstaltungen, auf Sportplätzen, in Bars oder in Downtown Miami. In manchen Städten (Miami, Tallahassee, Daytona, West Palm Beach) können Polizeiverordnungen das Bundesgesetz des Staates Florida einengen und das Tragen JEDES Messers an bestimmten Orten verbieten.

Die beiden Beispiele aus Maryland und Florida sind symptomatisch für Messer und Gesetze in den USA. Das Studieren der amerikanischen Gesetze schafft nur eine trügerische Sicherheit, die im Internet veröffentlichten „knife-laws“ sind bestenfalls ein Anhaltspunkt. In fast allen Städten gelten individuelle Vorschriften, durch die Bundesgesetze ergänzt oder verschärft werden können.

Nun kommen wir zur eingangs erwähnten Haftanstalt auf Rikers Island. Die Gefängnisinsel liegt im East River zwischen den New Yorker Stadtteilen Queens und der Bronx. New York hat das mit Abstand schärfste Verbot für Messer, das es in den USA gibt. Und drakonische Strafen. Auch wenn Sie bei USA Reisen ein Messer mitführen, weil es am Urlaubsort erlaubt ist, lassen Sie es im Hotelzimmer, wenn Sie New York besuchen.


Sieben Tipps für Touristen

Alle Messerfreunden, die in die USA reisen und dort natürlich ein, zwei, drei neue Messer für die Sammlung erwerben, sollten folgende Ratschläge beachten:

  • Informieren Sie sich über die aktuelle Gesetzeslage in den Bundesstaaten, die Sie besuchen möchten!
  • Wenn sie sich in einer größeren Stadt aufhalten, lassen sie die Messer grundsätzlich im Hotel.
  • Bei Urlaub in „friedlichen“ Gegenden, also auch in Touristengebieten, fragen Sie einen Polizisten nach den vor Ort geltenden Regeln.
  • Auch wenn die meisten Ordnungshüter Touristen und ihre Mietwagen schon aus 100 Meter Entfernung erkennen: Geben Sie sich bei Polizeikontrollen möglichst frühzeitig als Tourist zu erkennen.
  • Leisten sie auch scheinbar unsinnigen Anordnungen der Polizisten augenblicklich Folge.
  • Vermeiden Sie gegenüber Polizisten aggressives Auftreten! Im Regelfall sind Polizisten in den USA deutlich freundlicher und höflicher als ihre Kollegen in Deutschland.
  • Transportieren Sie keine Messer offen im Fahrzeuginnenraum. Das würde Sie genauso verdächtig machen wie Kufiya und ein schwarzer Turban …

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Mit Messern in den USA reisen – Links

Die Informationen in diesem Artikel beruhen auf gründlicher Recherche und den angegebenen Quellen, geben aber Meinung und Verständnis eines juristischen Laien wieder und sind daher unverbindlich!