Schnitzel Kvar

Schnitzel Kvar – EDC ohne Führverbot für Outdoor-Fans

Die Marke „Schnitzel“ verbinden Messerfans mit Fixed Blades, die praxistauglich, zuverlässig und dabei ausgesprochen preisgünstig sind. Nun muss man umdenken, denn die Riege der feststehenden Klingen wird durch das Klappmesser Schnitzel Kvar erweitert. Mit Zweihandöffnung und Klingenverriegelung schlägt das Schnitzel Kvar dem deutschen Führverbot ein elegantes Schnippchen. Knife‑Blog hat sich angeschaut, was den Schnitzel-Erfindern zum Thema Taschenmesser eingefallen ist.

Sichere Schnitzmesser für Kinder und Jugendliche lautete die Intention hinter den ersten beiden Fixed Blades mit dem Schnitzel‑Logo. Tatsächlich hatte die Firma aus dem norddeutschen Wacken eine Marktlücke aufgespürt, denn brauchbare Messer, um jungen Menschen den Umgang mit scharfen Werkzeugen zu vermitteln, gab es bis dato nicht. Später folgte mit dem Schnitzel TRI ein vollwertiges Fixed Blade, das sich als EDC mit Survival‑Qualitäten an erwachsene Messerfans richtete.

Egal, ob für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, die Grundzutaten der Schnitzel-Messer sind immer gleich. Preisgünstige Materialien und ordentlicher Klingenstahl werden mit durchdachtem Design kombiniert, wobei die Preise trotz ansprechender Produktqualität im erschwinglichen Rahmen bleiben. Gleichzeitig sind die Messer so konzipiert, dass sie in Deutschland nicht unter das eingeschränkte Führverbot fallen.

Taschenmesser Schnitzel Kvar

Den Namen Kvar muss man erklären. Die Bezeichnung stammt aus der osteuropäischen Plansprache Esperanto und steht für die Zahl Vier. Damit führt das Kvar die Tradition der Namensgebung bei Schnitzel fort. Uno, Du, Tri, Kvar – Eins, Zwei, Drei, Vier. Hellseher tippen darauf, dass das nächste Schnitzel „Kwin“ heißen könnte und die Kristallkugel hat recht: Die Messermodelle mit dem Schnitzel‑Logo tragen keine Namen, sondern sind in der Reihenfolge ihres Erscheinens in Esperanto durchnummeriert.

Schnitzel Kvar Front- und Clip-Seite mit Stonewash oder beschichteter Klinge
Das Schnitzel Kvar gibt es mit Stonewash oder mit beschichteter Klinge.

Kein Führverbot dank Zweihandöffnung

Bei Messern mit feststehender Klinge bedeutet die Umgehung des Führverbotes eine Begrenzung der Klingenlänge auf maximal 12 Zentimeter, beim Taschenmesser Schnitzel Kvar fällt dem unsinnigen deutschen Waffenrecht die praktische Einhandöffnung zum Opfer. Eine Übersicht zu den gesetzlichen Vorschriften für Messer hat Knife‑Blog im Artikel „Das deutsche Waffenrecht für Messer“ umfassend und leicht verständlich zusammengefasst.

Zweihandöffnung mit Klingenverriegelung lautet die Kurzbeschreibung des Funktionsprinzips des Schnitzel Kvar. Im Gegensatz zu vielen anderen Taschenmessern ähnlicher Bauart benötigt man zum Öffnen der Klinge tatsächlich beide Hände. Das einhändige Anheben der Klinge mit Daumen und Mittelfinger und anschließendem Aufschieben der Klinge funktioniert beim Schnitzel Kvar nicht.

Öffnungsbewegung und Klingengang steuert der straff eingestellte Detent. Die Handhabung des Kvar erinnert dadurch stark an ein Slip Joint, wobei dieser Eindruck durch einen Halfstop beim Öffnen der Klinge zusätzlich verstärkt wird. Nach einem Öffnungsweg von knapp 90° Grad stoppt die Bewegung und die Klinge lässt sich erst nach Überwinden eines Widerstands vollständig öffnen.

Bei Slip Joints, also Klappmessern ohne Klingenverriegelung, ist der Halfstop ein Sicherheitsmerkmal, damit beim Schließen des Messers die Finger nicht versehentlich zwischen Schneide und Griff geraten. Bei Taschenmessern mit Klingenverriegelung findet man die „Mittelarretierung“ nur selten, dennoch macht der Einsatz eines Halfstops beim Schnitzel Kvar Sinn. Begründung folgt im nächsten Abschnitt.

Design und Ergonomie

Man kann das Schnitzel Kvar mit einem Satz charakterisieren: Es ist das Fixed Blade unter den Foldern. Der offensichtliche Widerspruch löst sich auf, wenn man das Messer zur Hand nimmt, öffnet und schließt. Jede Aktion fordert Nachdruck und Kraft. Der bereits erwähnte, straffe Detent hält die geschlossene Klinge fest zwischen den Griffschalen, zum Öffnen sollte man den Klingenrücken beherzt greifen und die Klinge mit drei Fingern bewegen, bis der Halfstop erreicht wird.

Öffnet man die Klinge weiter, schnappt das Backlock zu wie eine Mausefalle. KLACK! Man fühlt den Verriegelungsvorgang nicht nur, im Umkreis von einigen Metern kann man ihn auch hören. KLACK! Mit gefühlten 90 Dezibel klingt der Mechanismus eher nach einem gehämmerten Heavy‑Metal‑Intro in Wacken als nach Gentleman Folder.

Mit Krawatte und Maßanzug hat das Schnitzel Kvar nichts am Hut. Schickimicki-Ambitionen oder optische Aufheller sucht man beim Folder aus Wacken vergeblich. Der vierte Spross der Schnitzeldynastie ist ein Hardcore‑EDC und von Designer Torben Kuhrt kompromisslos als Messer fürs Grobe konzipiert.

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Dass das Augenmerk auf Robustheit und Stabilität anstatt auf filigraner Bedienung liegt, wird spätestens beim Entriegeln des Backlock klar. Die Klingenverriegelung steht dem Detent nicht nach und ist mindestens ebenso straff justiert. Der Daumen muss ordentlich Kraft aufwenden, um die Federstange des Backlock zur Freigabe der Klinge zu überreden.

Dafür läuft die Klinge recht geschmeidig zwischen Washern aus Bronze, wobei auffällt, dass das Schnitzel Kvar keinerlei Klingenspiel besitzt. Weder mechanischer Druck noch Seiten- oder Torsionskräfte können die Klinge auch nur um ein Zehntel aus ihrer Position bewegen. Einmal geöffnet wirkt das Schnitzel Kvar wie ein Messer mit feststehender Klinge und kommt diesem Eindruck auch optisch nahe. Von oben betrachtet verrät nur der kleine Spalt am Backlock den Folder.

Natürlich verrät auch der Taschenclip aus Stahl, dass hier ein Folder und kein Fixed auf dem Tisch liegt. Der Clip kann wahlweise an der linken oder rechten Seite des Griffs montiert werden. Zusammen mit dem Backlock, das konstruktiv bereits für beidhändige Bedienung optimiert ist, darf sich das Design des Schnitzel Kvar „ambidextrous“ nennen, das Messer ist also für Links- und Rechtshänder gleich gut bedienbar.

Der Griff ist riesengroß. Zumindest gefühlt, denn aus einer veritablen Männerhand lugt er an beiden Seiten deutlich heraus. An Platz mangelt es auf den zur Verfügung stehenden elf Zentimetern Grifflänge nicht. Die ergonomischen Konturen und gut 25 Millimeter Griffhöhe sorgen für sichere Handlage und bequemes Arbeiten.

Klinge und Klingenstahl

Zu einem soliden Folder gehört eine entsprechende Klinge und die fällt mit einer Länge von 88 Millimetern einen Tick kürzer aus, als der voluminöse Griff suggerieren möchte. Ein, zwei Millimeter hätte man vielleicht noch herauskitzeln können, ohne dass die Spitze über das Griffende hinausgeragt hätte, aber viel Platz hat der Designer nicht verschenkt.

Wie nicht selten bei Messern mit Backlock ist auch beim Schnitzel Kvar die Achsschraube deutlich unterhalb der Mittellinie positioniert. Der Anschlagpunkt für die Klinge („Stop Pin“) und der Verriegelungsarm des Locks befinden sich konstruktionsbedingt oberhalb der Achsschraube und beanspruchen einiges an Platz.

Schnitzel Kvar mit beschichteter Klinge aus Sandvik 14C28N
Schnitzel Kvar mit beschichteter Klinge aus Sandvik 14C28Ns.

Die Klinge des Schnitzel Kvar variiert die typische Drop‑Point‑Form durch einen großen Radius der Schneide. Ausgehend von der Klingenspitze wird der Radius des Bogens allmählich größer, sodass nur das griffseitige Drittel der Schneide gerade verläuft. Dadurch liegt bei nahezu allen Schneidearbeiten nur ein kurzer, gebogener Abschnitt der Schneide am Schnittgut an. Entsprechend effektiv und ohne großen Kraftaufwand erledigt das Schnitzel Kvar die alltäglichen EDC-Aufgaben.

Der Anschliff ist gut, für ein Messer dieser Preisklasse sogar ausgesprochen gut. Die Schleifkerbe hat Torben Kuhrt dankenswerterweise klein gehalten, sodass die Länge der Schneide 94 Millimeter beträgt. Das Klingendesign des Schnitzel Kvar verleugnet seine Verwandtschaft mit den Fixed Blades der Firma nicht. Das Jimping auf dem Klingenrücken ist von grober Struktur, aber nicht scharfkantig, eine Swedge besitzt die Klinge nicht und der Flachschliff setzt ebenso weit oben an wie beim Schnitzel Tri.

Der Klingenstahl 14C28N taucht in letzter Zeit immer häufiger bei hochwertigen Messern auf, obwohl er sich nach seiner Vorstellung 2007 jahrelang in einer Art Dornröschenschlaf befand. Die Fähigkeiten des schwedischen Stahls wurden zunächst nicht erkannt, denn das Augenmerk der Messerszene lag 2007 auf den gerade im Consumer‑Bereich angekommenen PM‑Stählen aus amerikanischer Produktion. Die Euphorie war grenzenlos und die neuartigen Klingen aus „Sintermetall“ galten vielen als Non-Plus-Ultra.

Bis heute hält sich das Gerücht, dass PM‑Stähle grundsätzlich besser seinen als die „alten“ Schmiedestähle. Doch betrachtet man die technischen Daten, wird klar, dass Sandvik 14C28N bei knapp 61 HRC beinahe doppelt so zäh ist wie der hochgelobte MagnaCut. Es kommt noch besser: Bei gleicher Härte übertrifft der Sandvik Stahl die allseits geschätzten PM‑Stähle CPM-S35VN und Böhler M390 in Sachen Zähigkeit sogar um das Dreifache (2023, Dr. L. Thomas). Mehr zu 14C28N findet ihr im Artikel „Stickstoff als Legierungselement“. Kurz gesagt: Sandvik 14C28 ist ein exzellenter Klingenstahl für einen Heavy‑Duty‑Folder.

Schnitzel Kvar – Preis & Fazit

Das Schnitzel Kvar wurde als Taschenmesser für „Hard Tasks“, für die „harten Aufgaben“ entwickelt und das Konzept in allen Details gradlinig umgesetzt. Das Messer hat einen eigenen Stil und bleibt sich treu. Überraschungen gibt es keine. An seiner Bestimmung lässt das Messer nie Zweifel aufkommen und erstaunlicherweise geht das rustikale Bedienkonzept im Alltag auf.

Die straffe Grundeinstellung passt nicht nur gut zu diesem Arbeitsmesser, ist sie geradezu ein Muss. Auch wenn das Entriegeln ein paar Druckstellen am Daumen hinterlässt, das Schnitzel Kvar nervt oder ärgert seinen Besitzer nicht.

Das Schnitzel Kvar mit schwarzen G-10 Griffschalen und Klinge mit Stonewash-Finish

Das Schnitzel Kvar ist ein Taschenmesser, das robust, langlebig und auch unter widrigen Bedingungen zuverlässig sein soll. Es ist ein praktisches Werkzeug, an dessen rustikalen Charme sich die Geister scheiden werden.

Hat man sich an die Redneck-Gene des Schnitzel Kvar erst einmal gewöhnt, nimmt man das Messer gern mit in den Wald. Dort ist es in seinem Element und nimmt kraftvolle Einsätze nicht übel. Unwillkürlich drängt sich der Begriff „Survival‑Folder“ auf, der schon deshalb spannend ist, weil das Messer in Deutschland nicht vom Führverbot eingebremst wird und das Schnitzel Kvar auf Urlaubsreisen dezenter getragen werden kann als ein „echtes“ Survival-Messer mit 7 Zoll Klinge.

Das Schnitzel Kvar wird in vier Versionen angeboten, wobei sich die Varianten durch die Farbe des Griffmaterials und das Finish der Klinge unterscheiden. Schwarze oder grüne G-10 Griffschalen können mit einer Klinge im Stonewash‑Finish kombiniert werden, die beschichteten Klingen werden mit sandfarbenen oder grünen Griffschalen angeboten. Auf den Preis wirkt sich die Gestaltung nicht aus, jede Variante des Schnitzel Kvar kostet im Online-Shop von Klingenreich 99,99 Euro.

Die Positionierung eines Heavy-Duty-Folders ist ein cleverer Schachzug der Schnitzelmacher, denn in diesem Bereich ist die Konkurrenz dünn gesät. Leistungsmäßig vergleichbar wäre ein HF‑2 Folder von Extrema Ratio, der allerdings als Einhandmesser mit 125 Millimeter Klinge mehr als das Vierfache kostet und mit dem Führverbot kollidieren kann. Als „Survival-Folder“ und Messer fürs Grobe ist das Schnitzel Kvar in seinem Element. Einige Messerfans werden den straffen Detent verfluchen und ihren schmerzenden Daumen einen Grund nennen, das Messer nicht zu mögen. Doch echte Outdoor-Fans werden schnell die Stärken des Schnitzel Kvar erkennen und verstehen, dass dieses Messer genau so sein muss, wie es ist: kompromisslos ehrlich und zuverlässig.

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Schnitzel Kvar – Technische Daten

  • Bauform: Zweihandmesser mit Backlock
  • Klingenlänge: 88 mm
  • Klingenstärke: 3,8 mm
  • Klingenstahl: Sandvik 14C28N
  • Länge geöffnet: 211 mm
  • Länge geschlossen: 123 mm
  • Griffmaterial: G‑10
  • Ausstattung: Präsentbox, Aufkleber
  • Gewicht: 160 g (Stonewash), 164 g (beschichtete Klinge)

Bildnachweis Titel Hintergrund: Depositphotos.com, Composition: Knife-Blog

Schnitzel Kvar
In einem Satz:
Kompromissloses EDC mit Hard-Task-Qualitäten und attraktivem Preis.
Klingenstahl
Anschliff
Justage/Funktion
Qualität
Swag-Faktor
Preis-Leistung
4.3
Knife-Blog Wertung