Lumpi, kleines Taschenmesser mit titan und Damast

Lumpi oder ein kleines Taschenmesser als bester Freund des Menschen

Schreibt Knife-Blog jetzt auch über Hunde? Nein, auch wenn man den Namen „Lumpi“ wie kaum einen anderen mit einem bellenden Vierbeiner verbindet, geht es natürlich um ein Taschenmesser. Ein kleines, eines aus edlen Materialien und eines, das ein ebenso treuer Begleiter sein möchte wie der assoziierte Hund. Review und Praxistest des Lumpi werden zeigen, ob es ein zuverlässiger Gefährte oder ein zahnloser Kläffer ist.

Inhalt und Übersicht

Lumpi war einst der stolze Anführer eines Rudels Dachshunde in den nördlichen Alpen. An seinen genauen Geburtstag kann sich keiner seiner Gefährten erinnern...“ So beginnt die Geschichte des Hundes Lumpi in einer Erzählung für Kinder. Bei uns lautet die Einleitung heute etwas anders: „Lumpi ist ein stolzes kleines Taschenmesser, das nördlich der Alpen zu Hause ist, Verbündete im fernen Asien besitzt und das nicht nur die Hundefreunde unter den Messerfans ansprechen dürfte.“

Taschenmesser Lumpi ist ein Gemeinschaftsprojekt des Goldschmiedemeisters Peter Döring und Dirk Wanger von „Messer & Co“.

Peter Döring ist in der Messerszene ein bekanntes Gesicht und regelmäßiger Aussteller auf Messertreffen. Neben Schmuckstücken und kunstvollen Beads sind auch seine Messerkreationen bekannt.

Auch das Lumpi hat Peter Döring in einem gemeinsamen Projekt mit Dirk Wanger gezeichnet. Dirk Wanger hat bereits mehrere Messer entwickelt und konnte auch schon eine Prämierung des Messer Magazins einheimsen.

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Lumpi ist klein. Auf jeden Fall kleiner, als man nach dem Blick auf ein Foto vermutet. Das Messer besitzt eine 30 Millimeter lange Klinge und misst geöffnet ganze 81 Millimeter. Mit einem Gewicht von 40 Gramm bringt es gerade einmal ein Drittel des üblichen Gewichts eines Titan-Framelock-Folders auf die Waage. Technisch ist das Lumpi ein Taschenmesser mit Zweihandöffnung und Klingenverriegelung, fällt also nicht unter die im deutschen Waffengesetz postulierten Führverbote.

Taschenmesser Lumpi

Reden wir nicht um den heißen Brei herum. Eine Alternative für ein ausgewachsenes EDC kann und will Klein-Lumpi nicht sein. Als Ersatz für einen robusten fullsize Folder taugt das Lumpi nicht. Zum Schnitzen oder Spalten eignet es sich ebenso wenig wie zum Aufbrechen der Zwingertür. Das Taschenmesser ist für leichte Schneidearbeiten konzipiert. Seine Paradedisziplin ist das Öffnen von Briefen, Päckchen und Paketen. Trotzdem lässt sich das Lumpi nicht auf einen „Box-Cutter“ reduzieren.

Taschenmesser Wanger Lumpi, Vorder- und Rückseite

Trotz seiner Größe ist das Lumpi ein äußerst stabiles Taschenmesser. Die Klingenstärke beträgt satte vier Millimeter. Beide Titangriffschalen sind drei Millimeter stark und durch die Klingenachse, einen Pin und einen wuchtigen Backspacer aus Titan miteinander verbunden. Die Materialstärken sind für ein kleines Taschenmesser überraschend üppig gewählt. Zusammen mit der ultrakompakten Bauweise ergibt sich ein sehr solides Messer, das ungeachtet seiner Größe beinahe unzerstörbar wirkt.

Mit einem Schmunzeln könnte man das Lumpi als „überbaut“ bezeichnen und mit dem Stil der Messer von Greg Medford vergleichen. Der Vergleich ist bei Weitem nicht so abwegig, wie er zunächst erscheinen mag. Man müsste nur die Stärke von Klinge und Griffschalen verdoppeln, die Maße des Messers mal vier und sein Gewicht mal zehn nehmen – schon läge ein Taschenmesser auf dem Tisch, das aus der Werkstatt von Greg Medford stammen könnte.

Doch am Ende sind die Unterschiede zwischen einem brachialen Medford Folder und dem Projekt von Peter und Dirk größer als die Gemeinsamkeiten. Während der Amerikaner kleine Fertigungstoleranzen gerne mal durch eine Handvoll unsymmetrisch verteilter Unterlegscheiben kompensiert, erlaubt sich der Goldschmied und Filigrantechniker Peter Döring auf der technischen Seite keinen einzigen Lapsus. Der Mini-Folder beeindruckt nicht nur mit seiner durchdachten Konstruktion, sondern auch mit hoher Verarbeitungsqualität und einwandfreier Funktion.

Qualität und Verarbeitung

Die Realisierung des Lumpi haben sich Dirk und Peter der Firma WE Knife anvertraut. Gute Wahl, denn zusammen mit Reate, TUYA Knife und Bestech Knives gehört die chinesische Firma zu den Top-Adressen für hochwertige Taschenmesser. Messer, die WE Knife unter seinem eigenen Markennamen anbietet, gehören in Sachen Qualität und Justage durchgängig zur Oberklasse. Auch als OEM-Hersteller kann WE Knife dieses Niveau bestätigen. Weder bei der Metallarbeit noch bei Funktion, Justage oder der Oberflächenbearbeitung gibt es beim Lumpi Anlass zur Kritik.

Das Lumpi wird mit zwei unterschiedlichen Klingenstählen angeboten. Das preisgünstige Standardmodell verfügt über eine Klinge aus Böhler M390 und ist damit hinsichtlich seiner Einsatzmöglichkeiten schon beinahe überdimensioniert. Auf jeden Fall muss der Hundebesitzer, Verzeihung: Lumpi-Eigner, nicht befürchten, dass die Klinge ihren Aufgaben nicht gewachsen sein könnte. Bei M390 kann der Daumen bedenkenlos nach oben gehen.

Wanger Lumpi - Alle Modelle

Der zweite Klingenstahl ist von vergleichbarer Qualität aber optisch deutlich attraktiver. Der rostträge Damast (Wilder Damast, DSC Inox) aus der Schmiede Balbach macht das kleine Taschenmesser zu einem richtigen Hingucker. Und verleiht ihm einen charmanten Hauch Extravaganz. Handgeschmiedeter Damast aus Deutschland an einem Messer aus China klingt nach Widerspruch. Tatsächlich ist die Kombination eher eine logische Konsequenz, wenn man beste Materialien mit hoher Fertigungsqualität und einem bezahlbaren Preisrahmen vereinen möchte.

Ganz komplett ist die Ausstattungsliste des kleinen Taschenmessers allerdings nicht. Auf einen Stahleinsatz an der Lock Bar, die den Kontakt zur Klingenwurzel herstellt, hat man beim Lumpi verzichtet. Also kommt das (relativ) weiche Titan beim Verriegeln in Kontakt mit dem gehärteten Stahl der Klingenwurzel. Unangemessen frühen Verschleiß muss man deswegen nicht fürchten, denn die mechanische Belastung des Locks dürfte aufgrund der kurzen Klinge gering ausfallen. Ein Punktabzug ist dennoch unvermeidlich, zumal Bestech Knives bei seinem Modell Reticulan den Beweis angetreten hat, dass ein Stahleinsatz auch bei miniaturisierten Taschenmessern realisierbar ist.

Handling des Zweihandmessers

Geöffnet werden kann die Klinge des Lumpi nur mit beiden Händen. Das klappt prima, ohne sich die Fingernägel abzubrechen. Die längliche Ausfräsung unterhalb des Klingenrückens spielt die Rolle eines Nagelhaus, bietet aber keine Möglichkeit, die Klinge einhändig nur mit dem Daumen anzuheben.

Einen positiven Eindruck hinterlässt der knackige Detent. Wie bei den meisten Framelock Foldern sitzt der Detent Ball auch beim Lumpi im vorderen Bereich an der Innenseite der Lock Bar.

Die Kraft zum Öffnen der Klinge ist trotz des eher straffen Detent nicht sehr hoch und beim Schließen lässt der Detent die Klinge regelrecht in die geschlossene Position schnappen.

Beim Schließen hat der kleine Framelock Folder die Anmutung einer Tresortür und das passt ausgezeichnet zum Stil dieses Messers.

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Ergonomie oder warum ein Lanyard Pflicht ist

Ergonomisch kann man von einem Taschenmesser dieser Größe keine Wunder erwarten, aber im Rahmen des Möglichen haben Peter Döring und Dirk Wanger eine gute Lösung gefunden. Viele keine Messer sind Drei-Finger-Messer, das Lumpi ist eher ein Zwei-Finger-Messer. Die tiefe Fingermulde nimmt den Zeigefinger auf, der Mittelfinger liegt am hinteren Ende des Griffs und der Daumen findet erstaunlich viel Platz auf dem weit nach vorn gezogenen Klingenrücken.

Ein Lanyard aus Paracord ist beim Lumpi fast unverzichtbar, denn es verbessert die Handlage beträchtlich. Richtig gelesen! Das Lanyard lässt sich mit Ringfinger und kleinem Finger umfassen, wenn man das Lumpi in der Hand hält. Dadurch wird die Handlage des Messers spürbar stabilisiert.

Wenn man im Zusammenhang mit dem Lumpi über Lanyards spricht, muss man auch über die Beads von Peter Döring sprechen. Der Goldschmiedemeister hat die Zieranhänger zu einer Art Messerschmuck weiterentwickelt. Berühmt sind seine „Bone-Beads“, deren Form entfernt an einen Knochen erinnert. Der Clou an diesen 18 Millimeter langen und 12 Millimeter breiten Beads ist die Möglichkeit, den Bead am Ende des Lanyards zu montieren. Das ist gerade für dieses kleine Messer eine interessante Alternative.

Wanger Lumpi mit Flamed Titan Griff

Optisch wirkt Lumpi ebenso kantig wie der Kopf eines Pitbull. Das lässt eine unbequeme Handlage mit zahlreichen Druckstellen befürchten. Entwarnung an diesem Punkt. Lumpi passt und unangenehme Druckstellen sind selbst dann nicht zu beanstanden, wenn man das Messer mit maximaler Kraft festhält.

Kein Taschenclip. Erstaunlich. Ausreichend Platz wäre an der Lockside durchaus vorhanden gewesen, aber der Clip hätte das Messer auch merklich verbreitert. In manchen Situationen wird man den Clip wohl vermissen, andererseits ist Lumpi klein genug, um in der Münztasche einer Jeans Platz zu finden. Ein Clip, den man entfernen kann und dessen Montageloch mit einer kleinen Titanplatte abgedeckt werden kann, wäre die perfekte Lösung gewesen. Vielleicht eine Option für „Lumpi next Generation“.

Preise, Fazit, technische Daten und Bewertung

Als Gemeinschaftsprojekt von Peter und Dirk erstaunt nicht, dass Lumpi nur über die Webseiten der beiden erhältlich ist. Beide Bezugsquellen sind am Ende des Artikels verlinkt. Ein Lumpi mit M390 Klinge und „Plain Jane“ Titangriffschalen kostet 129,- Euro, mit einer Klinge aus Balbach Damast werden 198,- Euro fällig. Außerdem gibt es Modelle, bei denen Griffschalen aus anodisiertem Titan in Flamed-Optik oder Griffschalen aus Rosendamast verbaut sind. Auch deren Preise liegen im angesprochenen Bereich.

Der kleine Folder ist kein EDC, will auch keines sein. Es ist eher der beste Kumpel eines EDC und reist in der Hosentasche mit, um immer dann zur Stelle zu sein, wenn eine Drei-Zentimeter-Klinge ausreicht, um den Job zu bewältigen. Das ist häufiger der Fall, als man gemeinhin denkt und dann tritt Klein-Lumpi den Beweis an, dass es kein Spielzeug ist und tatsächlich für leichte Schneidearbeiten taugt.

Wanger Lumpi Rosendamast mit Beads

Das Lumpi ist als Zweihandmesser nicht nur aus Sicht des deutschen Waffenrechts unbedenklich, es ist darüber hinaus auch ausgesprochen sozial verträglich. Weder der größte Messer-Skeptiker noch die argwöhnischen Polizisten vom Bahnhofsvorplatz werden es schaffen, Lumpi eine Waffeneigenschaft unterstellen. So hat das kleine Messer immer dann seinen großen Auftritt, wenn andere Taschenmesser mit Klingenverriegelung in verschlossene Behältnisse gesperrt werden müssen.

Lumpi ist kein Messer für die Zwei-Tages-Wanderung oder den Angelurlaub in Kanada. Obwohl das kleine Taschenmesser in Kanada, wie in vielen anderen Ländern rund um den Globus, nicht verboten wäre. Im Büroalltag fühlt sich Lumpi ausgesprochen wohl, öffnet Briefe, Pakete oder ein weiteres Päckchen Kaffee, kappt Schnüre und macht auch bei vielen anderen Alltagsarbeiten eine gute Figur.

Size doesn’t matter, denn das Taschenmesser ist trotz seiner Größe ein Hingucker mit praktischen Qualitäten. Das Messer ist etwas Besonderes und durch die Miniaturisierung des Konzepts Framelock Folder eine ungewöhnliche Erscheinung. Ein Kläffer, der nicht beißen kann, ist Lumpi nicht. Das kleine Taschenmesser ist ein angenehmer Begleiter, trägt nicht auf, zerrt nicht an der Hosentasche und ist verlässlich, wenn er gebraucht wird.

Das Wichtigste zum Schluss: Lumpi ist knuffig, macht Spaß und kann auch Messerfans ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern, die bereits ein paar Dutzend Taschenmesser ihr Eigen nennen. Außerdem ist dieses Lumpi der einzige Lumpi, für den Vater*innen Staat keine Existenzstrafgebühren in Form von Hundesteuer erhebt.

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Technische Daten:

  • Klingenlänge, -stärke: 30 mm, 4 mm
  • Länge offen / geschlossen: 80 mm / 51 mm
  • Griffhöhe, -breite: 22 mm, 12 mm
  • Gewicht: 40 Gramm
  • Zubehör: Pouch, Poliertuch

Titelbild Vorlage: iStock.com:damedeeso, Composition: Knife-Blog

Lumpi - Kleines Taschenmesser
In einem Satz:
Klein, aber oho und mit besten Materialien und exzellenter Verarbeitung ein Messer mit Begeisterungspotenzial.
Klingenstahl
Anschliff
Design, Praxistauglichkeit, Sicherheit
Material- und Verarbeitungsqualität
Ergonomie und Justage
Preis-Leistungs-Verhältnis
4.4
Knife-Blog Wertung