Wer Messer mit auf eine Reise nimmt, sollte Messer- und Waffengesetze des Ziellandes kennen. Jahr für Jahr verbringen viele Deutsche ihren Sommerurlaub in Ländern der EU und führen ihre Messer mit. Sei es als Angler, Camper, Wanderer oder einfach nur aus Gewohnheit. Das deutsche Waffenrecht ist vielen Messerfreunden mittlerweile gut vertraut aber die Waffengesetze in Europa sind von Land zu land verschieden. Das Waffenrecht für Messer in einer ausführlichen Übersicht.

Inhalt und Übersicht

Wir haben seit Monaten ein gesamteuropäisches Problem: Islamistische Attentäter haben schwere Terroranschläge in Belgien, Frankreich, Deutschland und Großbritannien verübt und weitere Anschläge angekündigt. Einige Täter haben Schusswaffen eingesetzt, andere, wie kürzlich in London, haben mit einfachen Küchenmessern getötet.

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Europaweit befinden sich die Sicherheitskräfte im Alarmzustand und deren Blickwinkel auf Messer hat sich durch die Attacken der Islamisten deutlich verschärft.

Die Rechtslage für Messer- und Waffengesetze ändert sich daher laufend. Während wir „Messer-Freaks“ unsere Messer als Werkzeuge tragen, werden selbst Gentleman Folder bei Sicherheitsorganen nun verstärkt als Waffen wahrgenommen.

Keine Frage, durch den Terror ist das Klima für Messerfans rauer geworden. Viele zusätzliche Kontrollen, etwa in der Nähe von Sehenswürdigkeiten oder bei Großveranstaltungen, sind hinzugekommen. In vielen Ländern werden die Polizeibehörden vom Militär oder, wie beispielsweise in Frankreich, von Sondereinheiten zur Terrorbekämpfung unterstützt.

Die erhöhte Wachsamkeit sowie die verstärkte Präsenz der Sicherheitskräfte ist nicht ohne Einfluss auf die Situation friedlicher, nicht krimineller Messerfans geblieben. Heute kann man in fast jedem Land mit einem nach dortigen Bestimmungen legalen Messer Schwierigkeiten bekommen. In der angespannten Sicherheitslage gehen Sicherheitskräften schnell die Nerven durch.

Waffengesetz in Europa: Tipps und Hinweise

Die im Folgenden für die einzelnen Urlaubsländer aufgeführten rechtlichen Bestimmungen geben zwar die tatsächliche Gesetzeslage wieder, aber man kann sich nicht darauf verlassen, dass jeder Polizeibeamte oder Soldat diese Bestimmungen in der nötigen Detailtiefe kennt. Aus Unwissenheit oder reinem Übereifer werden Messer oft pauschalisiert als verboten betrachtet.

Schon in Deutschland ist es für einen Bürger extrem schwierig, sich gegen die rechtswidrige Sicherstellung eines Messers zur Wehr zu setzen. In einem Land, das man als Tourist besucht und dessen Sprache man vielleicht nicht perfekt beherrscht, sind die Chancen auf Verteidigung seiner Rechte nochmals deutlich geringer.

Messer- und Waffengesetze in Europa: Unterschiedliche Rechtslagen

Die unterschiedliche Rechtslage in den Ländern der EU kann Reisende schnell mit dem Gesetz in Konflikt bringen

Bevor wir auf die Waffengesetze in Europa und die Rechtsvorschriften hinsichtlich Messern in den verschiedenen Länder Europas schauen, hier einige allgemeine Hinweise und Tipps für das Führen von Messern. Diese sind weitgehend länderunabhängig.

  • Nehmen Sie keine Kampfmesser oder „tacticoolen“ Messer mit, auch wenn diese Messer aufgrund ihrer Bauform in Deutschland erlaubnisfrei zu tragen sein sollten.
  • Befolgen Sie das „Gray Man“ Prinzip, das heißt: Lenken Sie keine Aufmerksamkeit auf sich. Versuchen Sie aufgrund von Kleidung und Aussehen nicht aus der Urlaubermenge herauszustechen. Dazu gehört, Messer nicht sichtbar zu tragen und keine Rucksäcke in militärischem Stil (z. B. Molle comp. Equipment) mitzuführen. Drastisches Beispiel: Wer mit Camouflage Hose und Taliban Bart zwei Strider Fixed Tip-Up am Gürtel trägt und einen prall gefüllten, schwarzen Gearslinger auf dem Buckel hat, wird selbst die trübste Tasse unter den Sicherheitskräften in Alarmstimmung versetzen.
  • Nehmen Sie bevorzugt Messer mit, die in der jeweiligen Urlaubsregion als Werkzeug bekannt sind. Paradebeispiel ist ein Laguiole Messer für den Frankreich Urlaub. Auch ein klassisches „LeThiers“ ist geeignet, wenn die Klinge nicht arretiert werden kann. Aus diesem Grund könnte in Frankreich bereits ein Opinel zum Problem werden, auch wenn jeder Bauer auf dem Land so ein Ding in der Tasche hat.
  • Schweizer Taschenmesser gehen eigentlich überall, doch Vorsicht: Einige Modelle besitzen eine Klingenarretierung, was in manchen Ländern eine Verbotseigenschaft darstellt.
  • Wenn Sie sich über die Bestimmungen an einem Ort nicht sicher sind, stecken Sie ein Zweihandmesser in klassischer Optik ein. Messer im Stil von „Opas Taschenmesser“ werden nur selten beanstandet.
  • Gehen Sie immer davon aus, dass Sie beobachtet werden. Straßen und Plätze vor allem in Innenstadtbereichen und im Umfeld von Touristenzielen werden durchgängig von Kameras überwacht. Zudem mischt sich zivil gekleidetes Sicherheitspersonal unter die Touristenströme, um aus der Nähe zu beobachten und Gesprächsfetzen aufzuschnappen. Werden Sie dabei beobachtet, wie Sie ein Messer vom Rucksack in die Hosentasche oder unter das Hemd wandern lassen, riskieren Sie ein Durchsuchung.
  • Denken Sie im Voraus! Verbuddeln Sie ihre Messer tief in der Kleidung oder ersatzweise im Schuh, wenn Kontrollen absehbar sind. Bei Besuchen von Museen, Konzerten oder Sportveranstaltungen werden Taschen und Rucksäcke zumeist akribisch untersucht.
  • Viele Sicherheitskräfte sind schlecht ausgebildet, noch schlechter bezahlt und genießen möglicherweise ihre Wichtigkeit oder ihre Weisungsbefugnis. Lassen Sie sich nicht provozieren, bleiben Sie freundlich und entspannt. Ansonsten lösen Sie bei Polizei oder dem Sicherheitspersonal einen „dem Kerl werd‘ ich es zeigen“ Reflex aus. Ausgehend vom Gedanken des „Gray Man“ Prinzips, ist Aufsehen jeder Art kontraproduktiv.

Waffengesetze in Europa

Belgien

Grundsätzlich ist nichts erlaubt, einige Messer sind nur nicht ausdrücklich verboten. Da das Gesetz sehr schwammig ist, haben die Behörden weiten Ermessensspielraum.

Genau genommen sind Balisong, Fallmesser und Vollautomaten nicht verboten aber: Um ein Messer bei sich zu führen, müssen sie einen „glaubwürdigen“ und nachvollziehbaren Grund vorweisen können. Ähnlich der Regelung in deutschen Waffengesetz „…das Tragen des Messer einem allgemein anerkannten Zweck dient…“). Können sie das nicht, ist das Tragen des Messers illegal. Trotzdem: alles im Bereich Zweihandmesser, Gentleman Folder etc. sollte keinen Ärger bereiten.

Verbotene Messer: Wurfmesser, Wurfsterne, Bajonette, Messer mit zweiseitig geschliffener Klinge und alle Messer die in anderen Gegenständen verborgen sind (z. B. Stockdegen) oder einen anderen Gegenstand vortäuschen.

Dänemark

Zum dänischen Messer- und Waffengesetz ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Messer- und Waffengesetz in Dänemark

Estland

Zum Messer- und Waffengesetz in Estland ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Waffengesetz für Messer in Estland

Finnland

Praxis im Land: Finnland ist in Sachen Messer ziemlich entspannt. In Städten, öffentlichen Verkehrsmitteln und vor allem bei Veranstaltungen sollte das Messer im Hotel bleiben. Bei Outdoor-Aktivitäten (Tauchen, Angeln, Wandern etc.) ist das zweckgebundene Tragen von Messern akzeptiert.

Verbotene Messer: Balisong, Springmesser, Fallmesser, Bajonette

Nehmen sie typische Anglermesser, Jagdmesser, oder edle EDC’s mit und verzichten sie auf Kampfmesser oder große „Tactical Folder“.

Frankreich

Zum französischen Messer und Waffengesetz ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Messer- und Waffengesetz in Frankreich

Griechenland

Zum griechischen Messer und Waffengesetz ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Messer- und Waffengesetze in Griechenland

Großbritannien (England, Wales)

Zum Messer- und Waffenrecht in Großbritannien ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Messer- und Waffengesetze in England

Italien

Zum Messer- und Waffenrecht in Italien ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Messer- und Waffengesetz in Italien

Kroatien

Die Gesetzeslage in Kroatien ist widersprüchlich und undurchsichtig. Einerseits ist alles erlaubt und gleichzeitig ist alles verboten.

Beispiel: Automatikmesser sind nicht verboten. Verboten sind aber alle Gegenstände, die konstruktionsbedingt dazu geeignet sind, einen Menschen zu verletzen. Die Beurteilung ob ein Messer in diese Kategorie fällt liegt beim jeweiligen Behördenvertreter, Staatsanwalt und Richter.

Zweihandmesser und Gentleman Folder sind im Normalfall kein Problem. Bei Outdoor-Aktivitäten nur Messer mitnehmen, die für diese Aktivität typisch sind: Anglermesser, Brotzeitmesser, Tauchermesser usw. Lassen Sie Messer mit großen Klingen, martialischem Aussehen oder militärischer Optik („Tactical Knives“) unbedingt zu Hause.

Litauen

Verboten sind quasi nur das klassische italienische Stilett, Automatikmesser mit Klingen über 8,5 cm und Dolche. Das entspricht im wesentlichen der früheren deutschen Gesetzgebung. Messer, die bei Outdoor-Aktivitäten mitgeführt werden tolerieren die Ordnungshüter in Litauen.

Alle Messer mit Öffnungsautomatik wenn die Klinge länger als 8,5 cm ist oder die Höhe der Klinge an der breitesten Stelle kleiner als 14 Prozent der Klingenlänge ist. Verboten sind außerdem Messer mit zweiseitig geschliffener Klinge.

Balisong sind nicht verboten ABER die Frage der Öffnungsautomatik ist bei diesem Messertyp in Litauen strittig. Da die Klinge der meisten Butterflymesser länger als 8,5 cm und / oder die Klingenhöhe bei manchen Klingenformen (z. B. Spear Point) die erforderliche Klingenhöhe nicht erreicht, sollte man sich sicher sein, dass das jeweilige Messer die Vorschriften erfüllt.

Luxembourg

Klappmesser mit einer Klinge bis zu 9 cm Länge ohne Klingenarretierung, ohne Parierelement und mit einer Klingenhöhe von mindestens 14 Prozent der Klingenlänge sind erlaubt.

Die Kontrollen in Luxemburg sind gründlich, das Auge des Gesetzes ist in Luxemburg (Stadt) fast überall. Wegen der hohen Zahl von EU-Vertretern, Europa Abgeordneten, Geschäftsleuten und ausländischen Besuchern ist die Stadt gut mit Kameras überwacht. Polizisten auf Mountainbikes sind – wenn nötig – schnell zur Stelle und verstehen keinen Spaß.

Alle Messer mit Öffnungsautomatik, Bajonette, Dolche, Wurfmesser, Balisong und alle Gegenstände mit mehr als einer Schneide (z.B. Wurfsterne aber auch das Spyderco Dyad). Außerdem sind alle Klappmesser mit Klingenarretierung verboten bei denen Klinge länger als 7 cm ist und die ein Parierelement besitzen.

Niederlande

Zum Messer und Waffenrecht in den Niederlanden ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Messer- und Waffengesetz in den Niederlanden

Norwegen

In allen Städten ist das Tragen von Messern grundsätzlich verboten. Messer dürfen nicht zugriffsbereit im Auto liegen. Bei Outdoor-Aktivitäten wird das Mitführen eines für den jeweiligen Zweck üblichen Messers geduldet.

Verbotene Messer: Taschenmesser mit Öffnungshilfe, Balisong, Messer mit zweischneidigen Klingen. Außerdem sollte man auf Kampfmesser oder Messer mit martialisch-militärischer Optik bei Reisen nach Norwegen besser verzichten.

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Österreich

Zum Messer und Waffenrecht in Österreich ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Messer- und Waffengesetze in Österreich

Polen

In Polen dürfen alle Arten von Messern getragen werden. Balisong, Vollautomaten, Fallmesser und Stilett inbegriffen.

In den Großstädten ist das Tragen von Messern nicht verboten aber man sollte dezent auftreten und nicht mit einem „Zombie-Killer“ im Gürtel rumlaufen. Allerdings ist in Polen seit einiger Zeit zu beobachten, das die Gesetze hinsichtlich des Tragens von Messern zunehmend liberaler ausgelegt werden.

Verboten sind alle Gegenstände, die über ihre Eigenschaft als Waffe hinwegtäuschen, dazu gehören Stockdegen, Gürtelschnallenmesser, Kreditkartenmesser und Messer oder Klingen, die in anderen Gegenständen versteckt sind. Dogtags sind rechtlich unklar, daher lieber nicht nach Polen mitnehmen.

Portugal

Gehört das Messer nicht zu einer verbotenen Kategorie und ist die Klinge nicht länger als 10 cm, gibt es im Normalfall keine Probleme.

Wie in anderen Ländern auch, sollte man auf öffentliche Veranstaltungen lieber kein Messer mitnehmen. Größere Messer bei Outdoor Aktivitäten werden geduldet.

Verbotene Messer: Alle Messer mit Öffnungsautomatik, Halbautomaten, Wurfmesser, Balisong, Wurfsterne und Messer mit feststehender Klinge, die über ein Parierelement verfügen. Verboten sind außerdem Gegenstände mit getarnten Klingen, also wieder einmal der klassische Stockdegen.

Schottland

Zum Messer und Waffenrecht in Schottland ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Messer- und Waffengesetz in Schottland

Schweden

Zum Messer und Waffenrecht in Schweden ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Messer- und Waffengesetz in Schweden

Schweiz

Zum Messer und Waffenrecht in der Schweiz ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Messer- und Waffengesetz in der Schweiz

Waffengesetze Europa: Einhandmesser TUYA Argon
Waffengesetze in Europa: Einhandmesser mit Flipper-Öffnung haben in manchen Ländern einen unklaren Status

Slowenien

Bei Outdoor-Aktivitäten werden die typischen Messer geduldet. Taschenmesser, auch Einhandmesser mit arretierbarer Klinge sind nicht verboten, der Ermessensspielraum der Polizei ist aber sehr groß.

Messer mit Öffnungsautomatik, Stoßdolche, Wurfmesser, alle Messer mit zweischneidiger Klinge und Messer, die einen anderen Gegenstand vortäuschen sind in Slowenien verboten. Touristen sollte diese Messer auch nicht in verschlossenen Behältnissen mitführen.

Spanien

Zum Messer und Waffenrecht in Spanien ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen:
Messer- und Waffengesetz in Spanien

Tschechische Republik

Zum Messer und Waffenrecht in der Tschechischen Republik ist auf Knife-Blog ein ausführlicher Artikel erschienen: Messer- und Waffengesetz in Tschechien

Ungarn

Erfahrungsgemäß uneinheitlich, die Waffengesetze zu Messern sind sehr restriktiv aber auch konfus formuliert. In Großstädten ist es gänzlich verboten, ein Messer bei sich zu tragen.

Das steht zwar so nicht im Gesetz aber sie dürfen weder in öffentlichen Verkehrsmitteln noch auf öffentlichen Plätzen ein Messer führen. Auf dem Land sind die Behörden entspannter. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Auslegung der Vorschriften im Land, sollte man auf die Mitnahme eines Messers außer beim Angeln, Wandern oder Camping verzichten.

Alle Messer mit Öffnungsautomatik sowie alle Messer mit einer Klingenlänge über 8 cm sind verboten.

Türkei

Die Türkei ist ein Sonderfall in Europa. Das Land hat sich den letzten Jahren von einem Rechtsstaat in Richtung einer Diktatur entwickelt. Die Rechtsauslegung und -anwendung folgt nur noch bedingt den niedergeschriebenen Gesetzen.

Tipp: Informieren Sie sich vor Reisen in die Türkei auf der Website des Auswärtigen Amts über die aktuelle Situation in der Türkei.

Das gilt auch für Anwendung waffenrechtlicher Vorschriften, sodass sich zurzeit keine halbwegs belastbaren Aussagen zur tatsächlichen Gesetzeslage machen lassen. Das Vorgehen von Polizei, Militär und Zoll erscheint in vielen Fällen willkürlich und ist nicht vorhersehbar; das Rechtssystem unterliegt starker politischer Einflussnahme.


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